OLDENBURG Bis zu 150 Kinder und Jugendliche kommen in jeder Spielzeit regelmäßig in den Theaterclub des Oldenburgischen Staatstheaters, um sich unter professioneller Anleitung künstlerisch auszuprobieren und um ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Zwei Gruppen dieses Clubs eröffneten am Sonnabend in der ausverkauften Exerzierhalle mit den selbst entwickelten Stücken „Generation Lost“ und „To Build A Home“ die diesjährigen Oldenburger Jugendtheatertage. Freie Gruppen und schulische Arbeitsgemeinschaften aus der Region geben bis zum 17. Juni – in hoch- und plattdeutscher Sprache – einen Einblick in die Gedanken- und Erlebniswelt der Jugendlichen.

Zeit für Träume

Wie zu allen Zeiten wird auch heute die Jugend mit zahlreichen Etiketten versehen und in Schubladen gesteckt. Sie ist dumm, hockt stundenlang vor dem Computer, interessiert sich für nichts, stopft Fast-Food in sich hinein, besäuft sich bis zum Koma und so weiter und so fort. Stimmt das wirklich?

Cilia Darsow, Yara Harms, Ricarda Lake, Jöran Lücke, Berenike Martens, Clara Oeverink und Katrin Wutzke erzählen in „Generation Lost“ (Spielleitung Kristina Gorjanowa und Bettina Stiller) von ihren Ängsten, Träumen und Wünschen. Sie tanzen, singen und spielen mit viel Ausdruck und Engagement. Mit Selbstkritik und klugem Witz wird nicht gespart. Für das Publikum ist es das reinste Vergnügen, und das Stück macht nachdenklich. Haben Jugendliche heute noch Zeit für Träume? Dürfen sie Schwäche zeigen? Wie sieht ihre Zukunft angesichts des Klimawandels und der Turbulenzen in der Weltwirtschaft aus?

Das Ende stimmt dennoch hoffnungsvoll. Diese Generation gibt sich nicht verloren, sie wird ihren Platz finden und versuchen, das Beste aus der Lage zu machen – wie Jugendgenerationen vor ihnen und allen Pessimisten zum Trotz. Das Publikum belohnt die Darsteller mit tosendem Applaus und Jubelrufen.

Themenwechsel. Im Stück „To Build A Home“ (Spielleitung Henner Momann und Markolf Naujoks) gehen 15 Jugendliche (Jennifer Bremer, Paris Deuter, Lisa Grafe, Emma-Lou Hagelmann, Friedrike Ische, Julia Lichtner, Lena Lüthke, Luana Müller, Nikola Pantic, Carlotta Rölleke, Lisa Schneider, Florian Scholz, Imke Schwalm, Raed Wasseghi und Niclas Willms) der Frage nach, was Heimat ist. Mit dem zackigen Kommando „Kollegen, an die Arbeit!“ machen sie sich als Forscher in weißen Overalls auf die Suche nach Fakten und der alles erklärenden Formel für Heimat.

Absurd und anrührend

Wie ein orientierungsloser Schwarm toben und rappen sie über die Bühne, stürzen sich alle Mann aufs Sofa, stöbern in einem riesigen Reisekoffer und finden zwischen alten Volksliedern und Schlagern, eingängigen Rock- und Popsongs, Sprichwörtern und Klischees ihre ganz persönlichen Antworten, entdecken ihre Sehnsüchte und Träume.

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Nach absurdem und lustigem, mitunter überdrehtem, nach traurigem, nachdenklichem und auch anrührendem Spiel reift bei den Forschern die Erkenntnis: Eine verbindliche Formel für Heimat gibt es nicht, aber Zuhause ist der einzige Ort, an dem man sein darf, wie man ist und an dem man nicht schauspielern muss. Das Publikum belohnt auch diese Gruppe für ihre Leistung mit tosendem Applaus – zu Recht.

 @ Alle Theaterkritiken lesen Sie unter http://www.NWZonline.de/theater

Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
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