Oldenburg Ab September arbeitet Oldenburgs jetziger Theaterchef Markus Müller in Mainz. So ein Intendanten-Wechsel „ist immer auch eine Erneuerung“, sagte der dann startende Oldenburger Generalintendant Christian Firmbach jüngst und nannte als personelle Faustformel: „Ein Drittel kommt, ein Drittel geht, ein Drittel bleibt.“

Durchstöbert man aktuelle und neue Spielzeithefte in Oldenburg und Mainz, geht diese Rechnung nicht ganz auf. Während die Oldenburger Tanzcompagnie beispielsweise fast komplett ans Staatstheater Mainz wechselt, geht mehr als die Hälfte der bisherigen Ensemblemitglieder aus Schauspiel und Oper völlig neue Wege.

1650 Euro als Startgage

Am Beispiel einiger Schauspieler wird deutlich, in welche Richtungen es geht. Und dass nicht jeder Weg freiwillig eingeschlagen wird. René Schack beispielsweise, der zuletzt mit seinem „Kontrabass“ im Orchestergraben brillierte (und den er auf anderen Bühnen in Oldenburg weiter zeigen wird) gibt zu: „Ich wäre gern am Staatstheater geblieben.“

Aus Rücksicht auf seine beiden Kinder, acht und elf Jahre alt, will er der Stadt nicht den Rücken kehren. Stattdessen stellt sich der 49-Jährige als Schauspieler und Dozent so vielseitig wie möglich auf. „Das klappt schon irgendwie“, sagt der ausgebildete Pantomime und Schauspieler tapfer. Auch wenn es finanziell schwierig werden wird, gibt er sich zuversichtlich: „Wenn ich es schaffe, am Ende die Hälfe meines jetzigen Gehaltes zu verdienen, kann ich froh sein.“

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Übersicht über das Ensemble des Staatstheaters

Der Intendantenwechsel am Staatstheater bringt viele personelle Veränderungen mit sich. Nachfolgend eine Übersicht der festangestellten Ensemblemitglieder (ohne Gäste).

Schauspiel: Bisher 20, künftig 18 Akteure. Zehn gehen neue Wege, fünf folgen Markus Müller ans Staatstheater Mainz. Weitere fünf bleiben am Staatstheater: Caroline Nagel, Thomas Birklein, Bernhard Hackmann, Thomas Lichtenstein und Klaas Schramm. Jens Ochlast kehrt zurück.

Oper: Bisher 17, künftig 14 Akteure. Vier gehen nach Mainz. Zwei bleiben in Oldenburg: Paul Brady und Henry Kiichli.

Tanzcompagnie: Bisher 11, künftig 10 Tänzer. Neun folgen Tanzdirektor Honne Dohrmann nach Mainz. In Oldenburg entsteht eine ganz neue Ballett Compagnie.

Auch Kollege Gilbert Mieroph wäre nach sechs Jahren in Oldenburg „sehr gern“ geblieben. „Die Stadt bietet ein hohes Maß an Lebensqualität, und das Staatstheater ist ein Luxusliner“, vergleicht der Familienvater. Oldenburg verlässt er ungern, empfindet den Wegzug als Vertreibung aus dem Paradies, aber „weniger Geld als jetzt wäre einfach nicht möglich“, so der Vater eines neunjährigen Sohnes.

In seinem Alter ein festes Engagement zu finden, sei nicht leicht, erzählt Mieroph, der unter anderem als Marx in „Marx macht mobil“ glänzte. „Es ist wenig Bewegung auf dem Markt.“

Das liege auch daran, erklärt der 48-Jährige, dass man von seinem Gehalt, ohne das er genaue Zahlen nennen möchte, mittlerweile zwei jüngere Schauspieler bezahlen könne. Ein gerade beginnender Jungschauspieler, der von der Schauspielschule kommt, erhält in Deutschland 1650 Euro brutto als Gage.

Zeit für anderen Beruf

Trotzdem wird für den gebürtigen Potsdamer alles gut – zumindest beruflich. Denn Ende 2014 wird er Oberspielleiter in Plauen-Zwickau in Sachsen. Am Ende gut wird es wohl für die meisten Schauspieler, besonders für jene, die sich bewusst für einen Neuanfang entschieden haben – um mehr Zeit für Film, Studium oder einen anderen Beruf zu haben. Einer von diesen ist Sebastian Herrmann. Den Intendanten-Wechsel begreift er als „willkommene Gelegenheit, neue Energien freizusetzen“.

Der 37-Jährige lebt mit Frau und zwei Kindern in Hamburg. Von dort aus wird er als Schauspieler, Dozent und Drehbuchautor zu neuen Ufern aufbrechen. Eine seiner Produktionen wird in jedem Fall für immer mit Oldenburg verknüpft sein: Sein Film „Die Abschaffung“, gedreht auf dem Fliegerhorst, mit Mitgliedern des Ensembles. Zu erwarten ab 2015.

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