TECKLENBURG Die Ausgrabung des Stücks begeisterte jetzt. Tecklenburg liegt an der A 1 zwischen Osnabrück und Münster.

Von Wolfgang Denker TECKLENBURG - Die seit 1924 existierenden Tecklenburger Freilichtspiele setzen diesmal auf das 1960 in New York uraufgeführte Musical „Camelot“. Die Autoren sind berühmt: Frederick Loewe (Musik) und Alan Jay Lerner (Textbuch) sind auch die Schöpfer des Musical-Klassikers „My Fair Lady“. „Brigadoon“, „Gigi“ und „Paint Your Wagon“ sind weitere Früchte ihrer Zusammenarbeit, die mit „Camelot“ ihren Abschluss fand.

Die Sage um König Artus und die Ritter der Tafelrunde ist in dem Musical liebevoll, etwas ironisch und mit viel schöngeistiger Philosophie verarbeitet worden. Dabei ist die Handlungskonstellation eigentlich tragisch und ähnlich wie bei „Tristan und Isolde“: Guenevere, die Frau des Königs Artus, verliebt sich in dessen Freund und Gefolgsmann Lancelot und flieht mit ihm. Artus wird so gegen seinen Willen zu einem Krieg gezwungen, und seine idealistischen Träume von einer friedlichen Welt zerbrechen.

Obwohl die Musik keine so zündenden Ohrwürmer wie „My Fair Lady“ enthält, ist die Handschrift des Komponisten Loewe in Stil und Aufbau der Songs unverkennbar. Wie Higgins sinniert auch Artus pfiffig darüber nach, wie man die Frauen behandelt. Und der alte Haudegen Pellinore (knorrig und originell von Walter Hoffmann gespielt) ist fast ein Pendant zum Oberst Pickering. Das Turnier am Hofe bleibt unsichtbar und spiegelt sich nur (wie die Ascot-Szene in der „Fair Lady“) in den Reaktionen der Zuschauer wider.

Loewes Musik ist melodisch, gefällig und im besten Sinne etwas altmodisch, entwickelt in den Szenen des Bösewichts Mordred (sehr präsent Sven Olaf Denkinger) und in der Dramatik des Finales beachtliche Schlagkraft. Das Orchester der Freilichtspiele Tecklenburg spielt unter Klaus Hillebrecht auf beachtlichem Niveau.

Die Tecklenburger Burgruine ist eine ideale Kulisse für dieses Stück, das von der Regisseurin Helga Wolf zudem effektvoll in Szene gesetzt wurde. Die Chorauftritte, der nächtliche Fackelaufmarsch, das fröhliche Hofleben und die genaue Charakterisierung der Personen waren hervorragend gelungen. Claus Dam gab den träumerischen, verklemmten König mit Charme, dosiertem Pathos und menschlicher Wärme. Jana Werner war als Guenevere mit ihrem leicht ansprechenden Sopran eine Idealbesetzung – eine anmutige, blonde „Prinzessin“, die ihr Auftrittslied „Wo sind die Träume meiner Mädchenzeit“ mit entwaffnender Unschuld sang. Lucius Wolter, schon rein optisch ein überzeugender Verführer, kam als fanatischer Lancelot ganz rollengerecht zunächst als eitler, selbstgefälliger Schönredner daher, bevor seine Gefühle für Guenevere ihn immer menschlicher machen. Sein Liebeslied „Wann soll ich dich verlassen“ ist eines der schönsten Stücke der Partitur.

Mit der Ausgrabung von „Camelot“ (auch Bad Hersfeld spielt das Stück) ist den Tecklenburgern jedenfalls ein Volltreffer gelungen, der beim Publikum gut ankommt.

Weitere Aufführungen am 1., 2., 3., 8., 9., 10., 15., 16., 17., 22., 23. und 31. Juli sowie am 5., 6., 12. und 13. August. Karten: Tel. 05482/220.

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