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Vegesack Wir sehen die Winterarbeit der Freilichtmaler. Wenn’s draußen dunkel und ungemütlich, drinnen kuschelig und warm war, dann kam im Dorf die Zeit der Radierungen. Jedenfalls gilt das für Fritz Overbeck (1869– 1909), den Maler und Zeichner des berühmten Worpsweder Künstlerkreises, der später, am Ende seines kurzen Lebens, ab 1905 bei Vegesack wohnte. Dort zeigt das kleine, feine, vor wenigen Tagen mit dem Museumsgütesiegel ausgezeichnete Overbeck-Museum jetzt mehr als 40 Radierungen, dazu die entsprechenden Vorzeichnungen und obendrauf etliche Ölbilder.

Hinten am Horizont

Die künstlerischen Druckgrafiken sind neben denen von Heinrich Vogeler vielleicht die besten Druckgrafiken der Worpsweder überhaupt. Allein der allgegenwärtige, gemischte Himmel, auf den ersten Blick ganz Grau in Grau gehalten, fasziniert mit dunklen Tupfen und diversen Weißtönen. Der Himmel fällt hoch aus. Wild sind die Wolkenformationen. Das Land mit seinen Hügeln und Abbruchkanten ist vom Sturm leergepustet. Man meint den pfeifenden Wind im Teufelsmoor zu spüren und die sich auftürmenden Gewitterwolken zu riechen.

Kaum einer beherrschte so sehr die Kunst, Schattierungen ins Halbdunkel zu zaubern. Und kaum einer mischte in seine Landschaften so geschickt Kleinigkeiten ein, als sollte es ein Suchbild werden: In Overbecks großformatiger Radierung „Am Rande des Moores“ ist am Horizont, da, wo es eigentlich nicht mehr weiter geht, eine winzige Mühle zu sehen – aber nur für den, der ganz genau guckt oder die Lupe auspackt.

Overbeck hat als Künstler die einsame Landschaft des Teufelsmoores im allgemeinen und die Birke im besonderen fasziniert. Die Birke ist sein Lieblingsbaum, und deshalb nur konsequent zeigt das Museum im großen Saal auf der einen Seite die Radierungen und auf der anderen die dazu meist motivisch passenden Ölbilder – mit obligatorischen Birken. An einer Wand kann man sogar den Entstehungsprozess verfolgen – von der Vorzeichnung über die Radierung bis hin zum entsprechenden Ölgemälde. Aus den „Birken am Moorgraben“ werden im Gemälde dann leuchtend weiße „Birken vor Kornfeld“.

Naturgemäß gewinnen die Ölgemälde die Schlacht um unsere Aufmerksamkeit, allein schon durch ihre kräftige Farbigkeit. Aber die Detailfreudigkeit der präzisen Drucke überzeugt. Und wer zunächst denkt, der Künstler Overbeck habe im Laufe des aufwendigen Verfahrens, also beim Bearbeiten, beim Kratzen und Punktieren auf der kupfernen Druckplatte, beim Mischen der Ätzflüssigkeit (er gab gern mal Zigarrenasche dazu), sauber alles Lebendige aus seinen Grafiken verbannt, muss nur einen Saal weiter gehen. Da sieht er dann eine andere Welt: In viele grau-weißliche Flächen stellt Overbeck Figuren, darunter auch naive Mädchen, wie es Paula Modersohn-Becker tat. Tiere tauchen dann und wann auf, kleine Ziegen und Kühe.

Motivisch sind wir im Moor. Alte Gehöfte, verwunschene Bootsschuppen, ärmliche Moorkaten, stille Winkel, schlichte Brücken oder Kähne finden sich – und eben immer wieder Birken, die als zarte Gestalten wie Figuren in die Landschaft gestellt werden. Kurioserweise sieht „Frau auf der Brücke“ mit einer ziemlich gesichtslosen Dame so aus als sei es eine Vorstufe für Edward Munchs „Schrei“.

Zerbombte Druckplatten

So oder so: Die Druckgrafiken sind etwas Besonderes. Später wurden die dazugehörigen Druckplatten nicht in Worpswede oder Vegesack, sondern in Berlin gelagert. Dort wurden sie im Zweiten Weltkrieg zerbombt. Auch in dieser Hinsicht zeigt das Museum eine einzigartige Schau. Overbeck war in seinem Selbstverständnis nicht nur Maler, sondern immer auch Radierer. Das wird nun deutlich belegt.

Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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