Hamburg Nur wenige Regisseure haben eine so klare Handschrift wie der Finne Aki Kaurismäki: Seine Filme sind wunderbar ausgestattet im nostalgisch anmutenden Retro-Stil. Hinzu kommt ein Humor, der herrlich trocken und nüchtern daherkommt.

Deswegen muss man auch nur ein paar Szenen von Kaurismäkis Filmen sehen, um zu erkennen, von wem sie stammen. Genauso ist es nun auch bei seinem Drama „Die andere Seite der Hoffnung“ – schon nach den ersten Einstellungen befinden sich die Zuschauer in einer typischen Kaurismäki-Welt.

Ein wenig Melancholie

Aus dem Kohlehaufen auf einem Frachtschiff schält sich vorsichtig ein Gesicht heraus. Es ist Khaled, ein Flüchtling aus Syrien. Als blinder Passagier kommt der junge Mann in Helsinki an und beantragt Asyl. Doch seine Hoffnungen auf einen Neubeginn werden schnell zerstört: Die finnischen Behörden wollen Khaled abschieben. Denn in Aleppo sei es gar nicht so gefährlich, erklären sie.

Aki Kaurismäki BILD: DPA

Zur Person

Aki Kaurismäki (59), finnischer Regisseur, drehte unter anderem die Spielfilme „Leningrad Cowboys Go America“, „Das Mädchen aus der Streichholzfabrik“, „Lichter der Vorstadt“ und „Le Havre“.

Es ist ein hoch aktuelles Thema, das der Regisseur hier auf seine Weise ein bisschen wie ein Märchen erzählt. Denn Khaled taucht unter und will illegal im Land bleiben. Dabei trifft er auf Wikström. Der Hemdenverkäufer hat gerade sein Leben umgekrempelt und ein kleines Restaurant gekauft. Ohne zu zögern, bietet er Khaled Unterschlupf und lässt ihn bei sich arbeiten.

Die Behörden mögen zwar unmenschlich sein, und auch eine Gruppe Neonazis lauert Khaled immer wieder auf. Doch der junge Syrer trifft auch auf zahlreiche Menschen, die ihm helfen. Ein Sozialdrama, wie sie etwa der Brite Ken Loach oder die belgischen Dardenne-Brüder regelmäßig vorlegen, ist Kaurismäkis Werk also nicht. Dafür verweigert sich der Finne allzu realistischen Darstellungen. Ohne an Eindringlichkeit zu verlieren, setzt er lieber auf die für ihn so unverkennbare Mischung aus Komik und Melancholie.

Im Frauen-WC

Dazu passen auch die schweren Tango-Klänge, mit denen Kaurismäki seine Geschichte unterlegt. Mal spielt sie ein Straßenmusiker vor dem Bahnhof, mal steht eine ganze Band in Wikströms Restaurant und versucht die Gäste zum Tanzen zu animieren. Hinzu kommt der Kaurismäki-typische Humor. Seine teilweise skurrilen Charaktere sind zwar wortkarg, ihre Dialoge und Handlungen dafür aber umso pointierter und direkter und sorgen genau damit für Lacher. Wie etwa Khaled bei einer Restaurantdurchsuchung im Frauen-WC versteckt wird, weil da eh kein Mann nachschaut. Oder wie Wikström sich von seiner Frau trennt, indem er ihr den Ehering auf den Tisch mit dem Riesenkaktus legt – und sie den Ring in den Aschenbecher wirft.

Vor allem gelingt es Kaurismäki nach seinem Drama „Le Havre“ um einen schwarzen Flüchtlingsjungen in Frankreich erneut, drängende Fragen anzusprechen, ohne seinen Optimismus zu verlieren. Für seinen Film bekam er kürzlich auf der Berlinale einen Bären für die beste Regie – völlig zu Recht.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.