Düsseldorf Barbara Schöneberger ist verwirrt. „Ich guck“ die ganze Zeit in die Kamera, dabei ist da gar keiner.“ Sie moderiert in Düsseldorf den Deutschen Fernsehpreis, doch die Vergabe ist in diesem Jahr Neujahrsempfang, Klassentreffen, Branchentreff - nur keine Fernsehgala. Die Kameras sind an diesem Mittwochabend nur für die Journalisten angeschaltet, die im Presseraum das Treiben im Saal verfolgen und für einen halbstündigen Zusammenschnitt der Verleihung, der später im TV zu sehen sein wird. Immerhin: „Wir können alles machen, was wir schon immer mal machen wollten im Fernsehen“, sagt Schöneberger.

Erst sollte es gar keinen Fernsehpreis mehr geben. Die Kritik an der Vergabepraxis war zu groß geworden. 2015 setzten die Stifter den Preis komplett aus, dann wurde doch eine Neuauflage angekündigt. „Huch, den gibt’s doch eigentlich gar nicht mehr“, erinnert sich Moderatorin Nazan Eckes an den Moment, als die Einladung für die Verleihung in Düsseldorf in ihrem Briefkasten lag.

„Schön, dass es das wieder gibt“, sagt Moderator Markus Lanz. Dass der Preis im internen Rahmen verliehen wird, schmälere in keinster Weise den Wert der Veranstaltung. Ob der Fernsehpreis denn noch wichtig sei, wird auch Schauspieler Charly Hübner gefragt. „Auf jeden Fall“, antwortet er. Hübner hat sich auch in Schale geworfen: Wenn man bei Freunden eingeladen sei, ziehe man doch schließlich auch an, was man gerne möge. Ganz so auffällig wie das Kleid von Sophia Thomalla ist sein Anzug aber nicht. Sie kommt im bodenlangen, teils transparenten, teils mit Glitzersteinen besetzten Kleid - als käme sie zu einer Gala.

Dann verschwindet sie mit den anderen Gästen im Saal, wo es Dinner gibt statt Publikum. Annette Frier nimmt’s wie gewohnt mit Humor: „Wir haben auch vor, richtig gut zu essen.“ Das geht schnell, dann folgt die lange Liste der Nominierungen und Preisträger. „Tisch 66“, ruft Schöneberger. Aufstehen, bitte. Dann wird eine Trophäe nach der anderen für zahlreiche Kategorien in Unterhaltung, Information und Fiktion an die Tische gebracht.

Jonas Nay wird als bester Schauspieler geehrt und ist sichtlich gerührt - vor einigen Jahren bekam er schließlich noch den Nachwuchspreis. „Das ist ein ausgewachsener Nachwuchspreis für mich“, sagt er. Am verdattertsten ist wohl Günter Wallraff, der schon zwei Tage vor der Vergabe von der Entscheidung erfuhr. „Ein Ehrenpreis fürs Lebenswerk, da erschrickt man erst mal. Ich hatte bislang gedacht, ich hätte mich nicht aufs Altenteil gesetzt“, sagt der 73-jährige Enthüllungsjournalist aus Köln. Er sei es nicht gewöhnt, geehrt zu werden. Aber: „Vielleicht hab ich’s sogar verdient.“

Unterdessen fragt sich eine Twitter-Nutzerin: „#DFP16? Warum weiß ich davon nichts?“ Auch Schöneberger, die selbst einen Fernsehpreis abräumt, hat bis zuletzt Zweifel am neuen Format. „Ist der Fernsehpreis, so wie er in diesem Jahr stattfindet, jetzt wirklich das Non-Plus-Ultra, das Gelbe vom Ei?“, fragt sie, bevor sie als Show-Act auf die kleine Bühne steigt. „Ich weiß, was ich will, ich will den Fernsehpreis ganz groß und ganz schön, ich will ihn endlich wieder im Fernsehen sehen“, schmettert sie. „Was trage ich hier... nuttige Schuh“ und keiner schaut zu! Ich weiß, was ich will...“

Die Preisträger

Bester Fernsehfilm: „Nackt unter Wölfen“ (ARD)

Beste Serie: „Club der roten Bänder“ (Vox)

Beste Schauspielerin: Ina Weisse („Ich will dich“, ARD; „Ein großer Aufbruch“, ZDF)

Bester Schauspieler: Jonas Nay („Deutschland 83“, RTL; „Tannbach - Schicksal eines Dorfes“, ZDF)

Beste Comedy/Kabarett: „Die Anstalt“ (ZDF)

Beste Unterhaltung Primetime: „Joko gegen Klaas - Das Duell um die Welt“ (ProSieben)

Beste Moderation Unterhaltung: Barbara Schöneberger („Die 2 - Gottschalk & Jauch gegen alle“, RTL)

Beste Unterhaltung Late Night: „Neo Magazin Royale“ (ZDF)

Bestes Factual Entertainment: „Die Höhle der Löwen“ (Vox)

Beste Information: „An der Grenze - 24 Stunden an den Brennpunkten der Flüchtlingskrise“ (N24)

Beste Persönliche Leistung Information: Michel Abdollahi („Im Nazidorf“, NDR)

Bestes Infotainment/Talksendung: „Menschen bei Maischberger“ (ARD)

Beste Dokumentation/Reportage: „Asternweg - Eine Straße ohne Ausweg“ (Vox)

Beste Sportsendung: „Geheimsache Doping. Im Schattenreich der Leichtathletik“ und „Wie Russland seine Sieger macht“ (beide ARD) von Hajo Seppelt

Beste Regie: Lars Becker („Zum Sterben zu früh“, ZDF)

Bestes Buch: Magnus Vattrodt („Ein großer Aufbruch“, ZDF; „Das Zeugenhaus“, ZDF)

Beste Kamera: Ngo The Chau („Zum Sterben zu früh“, ZDF)

Bester Schnitt: Ulf Albert („Altersglühen - Speed Dating für Senioren“, ARD)

Beste Musik: Stefan Will und Marco Dreckkötter („Mordkommission Berlin 1“, Sat.1)

Beste Ausstattung: Max Wohlkönig, Matthias Müsse und Tilman Lasch („Mordkommission Berlin 1“, Sat.1)

Ehrung fürs Lebenswerk: Günter Wallraff

Förderpreis: Hubertus Koch

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