Oldenburg Als Förderung, Ansporn und Anreiz für noch Unbekannte ist der Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis eigentlich gedacht. Doch hin und wieder entscheidet sich die Jury für einen schon arrivierten Autor. In diesem Jahr für den Schweizer Rolf Lappert, der mit „Pampa Blues“ zwar sein erstes Jugendbuch vorgelegt (Hanser Verlag), aber bereits mehrere Romane („Nach Hause schwimmen“) und Drehbücher geschrieben hat.

Neue Tonlage

Am Montagabend wurde ihm der Kibum-Preis bei einem Festakt im Horst-Janssen-Museum überreicht. Mit 7600 Euro zählt der Preis zu den bundesweit höchstdotierten Auszeichnungen der Kinder- und Jugendliteratur. Lapperts Roman wurde aus 328 Einsendungen ausgewählt.

328 Einsendungen – Kibum bis 20. November

In diesem Jahr hatte die Jury unter 328 Einsendungen – darunter 91 verlegte Werke und 237 Manuskripte – zunächst vier Nominierte ausgewählt: Andrea Badey aus Köln, Kerstin Döring aus Hamburg, Vera Kissel aus Potsdam (alle mit Manuskript) und Rolf Lappert aus der Schweiz. Mit dem Kibum-Preis wurden unter anderen schon Autoren wie Mirjam Pressler, Zoran Drvenkar und Tamara Bach ausgezeichnet.

Die 38. Oldenburger Kinder- und Jugendbuchmesse im Oldenburger PFL (Peterstraße) dauert bis zum 20. November. Öffnungszeiten: mo. bis fr. 8.30–19 Uhr, sa./so. 10–19 Uhr.

  Infos und alle Veranstaltungen unter www.kibum-oldenburg.de­

  Ein Spezial unter www.nwzonline.de/kibum

Mit „Pampa Blues“ sei Lappert „eine neue Tonlage in der Jugendliteratur“ gelungen, begründete Dr. Mareile Oetken die Entscheidung der Jury. Vor allem die literarisch „unglaublich präzise gestalteten, schrägen und vielschichtigen Figuren“ würden das Buch in einer „ganz neuen und preiswürdigen Weise zum Klingen bringen“.

Der Autor selbst gibt sich auf Nachfragen eher zurückhaltend. Er hatte „einfach Lust dazu“, ein Jugendbuch zu schreiben, sagt der 53-Jährige. Im Übrigen basiere der Roman auf einem Drehbuch, das noch in seiner Schublade geschlummert habe. Und es wäre schade gewesen, es dort zu lassen. Mit einem Jugendbuch biete sich ihm zudem die Chance, erläutert er, in Schulen daraus vorzulesen. In der Schweiz, wo er am 21. Dezember 1958 geboren wurde und heute auch lebt, hat er bereits zahlreiche Lesungen hinter sich gebracht. 1982 legte der ausgebildete Grafiker seinen ersten Roman vor, zwischen 1996 und 2004 arbeitete er als Drehbuchautor für eine Serie des Schweizer Fernsehens.

Haarsträubend

„Pampa Blues“ spielt im Norden, irgendwo im Nirgendwo, in einem verschlafenen Nest namens Wingroden, wo der 16-jährige Ben davon träumt, nach Afrika abzuhauen. Sein Vater starb bei einem Flugzeugabsturz, seine Mutter tourt als Jazz-Sängerin durch die Welt. Deshalb kümmert sich Ben um seinen senilen Großvater, macht den VW-Bus flott und debattiert mit Maslow, einem ehemaligen Golfprofi. Der möchte aus Win­groden eine Touristenattraktion machen und kommt auf die absurde Idee, Nachrichten von einem gestrandeten Raumschiff zu verbreiten. Als die junge Lena mit ihrer Kamera aufkreuzt, scheint der Plan aufzugehen. Doch dann treibt das selbst gebastelte UFO in den Nachbarort ab.

Eine haarsträubende Geschichte, in der aber alles drin sei, „was man zu einem lebensstrotzenden Roman braucht“, urteilte Jury-Mitglied Ralf Schweikart. Literatur, die auf hohem Niveau großen Lesespaß bereite.

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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