Cannes Es ist ein ungewohntes Bild am Prachtboulevard von Cannes. Direkt vor dem Palais des Festivals, dem Herzen der Filmfestspiele, stehen Metalldetektoren. Ganz so wie am Flughafen, aber nur wenige Schritte vom roten Teppich entfernt, über den in den kommenden Tagen unzählige Stars in eleganter Abendgarderobe flanieren werden. So ungewohnt der Anblick allerdings ist, wirklich überraschend ist er angesichts der angespannten Sicherheitslage in Frankreich nicht. Wer es zum Auftakt des 70. Filmfests am Mittwoch aber durch dieses Nadelöhr geschafft hatte, konnte sich im Kinosaal wieder auf das Wesentliche konzentrieren: die Filme.

Zum Auftakt wurde „Les Fantômes d’Ismaël“ (Ismaels Geister) gezeigt. Prominent besetzt mit Charlotte Gainsbourg, Oscarpreisträgerin Marion Cotillard und „Bond“-Bösewicht Mathieu Amalric brachte das Werk dem Festival auch gleich die erhoffte Stardosis. Die Fotografen freuten sich beim Photocall unter strahlend blauem Himmel - im Gegensatz zu den Kritikern, die vor der feierlichen Premiere am Abend schon das eher zähe Liebesdrama gesehen hatten.

Überschattet wurde das Schaulaufen allerdings von einer Kontroverse um die Stellung des Streaming-Dienstes Netflix, der in diesem Jahr erstmals mit zwei Produktionen im Rennen um die Goldene Palme ist.

Kritiker monierten, dass Bong Joon Hos „Okja“ und Noah Baumbachs „The Meyerowitz Stories“ nicht einmal auf Kinoleinwänden zu sehen sein werde, sollten sie gewinnen. Und der Präsident der Jury, Pedro Almodóvar, gab ihnen recht. „Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass nicht nur die Goldene Palme, sondern irgendein anderer Preis an einen Film vergeben wird und dass man diesen Film dann nicht auf einer großen Leinwand sehen kann“, sagte der spanische Regisseur und legte damit nahe, dass die beiden Netflix-Filme aus seiner Sicht keine Chancen auf den Hauptpreis haben.

Will Smith, der ebenfalls der Jury angehört, machte sich hingegen für den Streaming-Dienst stark. „In meinem Haus war Netflix eine absolute Bereicherung“, sagte er. Es gebe Filme, die nirgendwo in der Nähe in einem Kino zu sehen seien, und seine Kinder könnten sie dort entdecken, sagte Smith.

Die US-Schauspielerin Jessica Chastain hat für ihre kommenden Tage als Mitglied der Cannes-Jury eine ungewöhnliche Regel aufgestellt. „Ich habe viele Freunde im Wettbewerb“, sagte die 40-Jährige („Der Marsianer - Rettet Mark Watney“, „Insterstellar“) am Mittwoch vor der Eröffnung der 70. Festspiele. „Ich möchte aber sehr objektiv sein.“ Und damit ihr Urteil über mögliche Gewinner nicht beeinflusst werden könne, habe sie diesen Freunden gesagt: „Schreibt mir keine SMS, während ich in der Jury bin.“

Chastain gehört in diesem Jahr zur neunköpfigen Jury. Unter Vorsitz des Spaniers Pedro Almodóvar werden die Filmschaffenden, darunter auch die Deutsche Maren Ade, die Gewinner der 19 Wettbewerbsbeiträge auswählen.

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