Wilhelmshaven Wenn Udo Lindenbergs Hit „Ich mach’ mein Ding“ im Radio läuft, drehen die Menschen im Wilhelmshavener Stadtteil Neuengroden den Ton lauter. Nicht etwa, weil es hier besonders enthusiastische Fans des originell nuschelnden Deutschrockers gibt. Der Grund für ihr gesteigertes Interesse heißt Jörg Sander. Denn der ist in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft aufgewachsen und hat die Musik des berühmten Lindenberg-Liedes geschrieben.

Sander lebte bis zu seinem 23. Lebensjahr in der Jadestadt. Dort besuchte er das Käthe-Kollwitz-Gymnasium, war aber eigentlich nur auf Musik fixiert. „Während meiner Jugend verbrachte ich nahezu jeden Nachmittag mit der Gitarre“, erinnert sich der 52-Jährige an die späten Achtziger. „Ich war total versessen darauf, Berufsmusiker zu werden. Irgendwann musste ich jedoch einsehen, dass dies in Wilhelmshaven unmöglich ist und ich nur in einer Musikmetropole eine Chance habe.“

1991 setzte er diese Erkenntnis in die Realität um und zog nach Hamburg, um sich an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst für den „Kontaktstudiengang Popularmusik“ zu bewerben. Damit hatte Sander eine wichtige Hürde übersprungen, denn während des Studiums in Hamburg lernte er viele Gleichgesinnte kennen, die ganz ähnliche Ziele verfolgten: „Alle waren total ehrgeizig, alle wollten unbedingt Profis werden.“

Mit Freunden gründete der Gitarrist und Komponist die Formation „Disco“ und bekam einen ersten Plattenvertrag. „Die Band blieb zwar relativ erfolglos, doch durch sie wurden einige wichtige Musikproduzenten auf mich aufmerksam.“

Insbesondere Sanders stilistische Vielfalt und das geschmackvolle Spiel verschafften dem Norddeutschen fortan immer häufiger lukrative Studiojobs für bekannte Künstler. Im Laufe der Jahrzehnte spielte der Wilhelmshavener unter anderem auf Alben von Tokio Hotel, Nena, Modern Talking, Heinz Rudolf Kunze, Jan Delay oder auch von internationalen Stars wie Melissa Etheridge oder Kim Wilde.

Die Krönung seiner Laufbahn begann 1994 mit einem wegweisenden Anruf: „Das Telefon klingelte, und am anderen Ende der Leitung war zu meinem Erstaunen Udo Lindenberg. Zunächst dachte ich, dass mich ein Freund mit verstellter Stimme auf den Arm nehmen wollte. Doch dann merkte ich, dass es sich tatsächlich um Udo höchstpersönlich handelte, der ein Treffen mit mir vereinbaren wollte. Für mich war das unfassbar. Ich dachte: Die Leute, die du nur von der Leinwand kennst, steigen plötzlich von der Leinwand hinab, rufen dich an, laden dich ein, und auf einmal bist du dabei.“

Sander blieb nicht nur „dabei“, sondern war innerhalb kürzester Zeit sogar „mittendrin“, als Leadgitarrist des wiedervereinigten Panikorchesters, als feste Größe der Lindenberg-Shows – und in zunehmendem Maße auch als musikalischer Ideengeber des Rockstars. Als Lindenberg 2007 erste Entwürfe für sein geplantes Album „Stark wie zwei“ zu sammeln begann, war ausdrücklich auch Sanders Kreativität gewünscht. „Udo bat mich, ihm ein paar meiner eigenen Nummern zu schicken. Also bekam er eine Auswahl an Songs, die ich zusammen mit einem Freund geschrieben hatte.“

Darunter befand sich auch die Musik, aus der schließlich „Ich mach’ mein Ding“ wurde. Sander: „Eines Abends rief mich Udo an und erzählte, dass er zu meiner Idee einen – wie er es formulierte – „voll geilen Text und so, nä“ geschrieben habe und ihn mal vorstellen möchte. Und dann sang er mir am Telefon den Refrain von „Ich mach’ mein Ding“ vor. Ich spürte sofort, dass daraus ein Hit wird, denn Musik und Text passen ideal zusammen. Außerdem verkörpert kein anderer Song so perfekt Udos lange Karriere.“

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