OLDENBURG „Jazz & more“ heißt das Konzept von Olaf King. Denn der erfahrene Entertainer will vor allem eines: unterhalten.

Von Karsten Krogmann OLDENBURG - Neulich stellte Olaf King plötzlich sein Flügelhorn ab. Er schnappte sich ein Mikrofon, stieg von der Bühne und verwandelte sich in einen Reporter. Unten saß ein Kind mit einem „Tokio Hotel“-T-Shirt, und mit dem führte King nun ein Interview: Er wollte wissen, was denn so toll an der Band sei, wo er ein Autogramm bekommen könne und ob die Musik von Tokio Hotel besser sei als seine, die von Olaf King. Das Kind antwortete artig, die Leute im Publikum lachten sehr, und beinah hätten sie vergessen, dass sie in einem Jazzkonzert saßen.

Olaf King, der eigentlich Olaf Gebauer heißt, sitzt in seinem Arbeitszimmer und lacht ebenfalls. „Die Leute sind geblieben“, freut er sich, „auch noch, als wir weiterspielten!“

King ist Jazzmusiker. Seit mehr als 40 Jahren ärgert es ihn, dass so viele Menschen abwinken, wenn sie das Wort „Jazz“ hören. „Wir“, sagt er deshalb, „wir wollen den Leuten zeigen, dass sie eigentlich doch jazzinteressiert sind, es bisher aber nicht wussten!“

Auf Gebauers Schreibtisch stehen verschiedene Stempel: „Dr. Olaf-Jürgen Gebauer, Verkehrspsychologe“ steht darauf, „Praxis für Verkehrs-Psychologie“ und „Olaf King, Entertainer“. Ein Stempel fehlt, nämlich der für die „Olaf King Allstars, Jazz & more“, aber vielleicht liegt der gerade nebenan.

Olaf Gebauer, von Beruf Musiker und Psychologe, stößt eine Tür hinter dem Schreibtisch auf. Dahinter stehen Gitarren, Trompeten und ein Flügelhorn, an der Wand hängen Zeitungsartikel, in einer Ecke baumeln hunderte Karnevalsorden. Denn Olaf King spielte ab 1965 zunächst bei der Tanzband Four Kings, dann startete er eine Solokarriere als Entertainer. „Wer den Erfolg auf der Bühne gewöhnt ist, der will ihn auch als Jazzer haben“, sagt er lapidar.

Und deshalb gibt es jetzt die Olaf King Allstars, eine Band aus hochkarätigen Jazzmusikern und -arrangeuren aus ganz Norddeutschland. Die spielen pfiffigen Oldtime-Jazz und auch mal Rock‘n‘Roll, Olaf King, der Entertainer, parodiert dazu Louis Armstrong. Bernd Müller, noch ein Entertainer, gibt später Louis Prima, und das Publikum freut sich.

Einen Stempel, auf dem „Olaf King, Träumer“ steht, gibt es auf dem Schreibtisch nicht. „Geld verdienen kann man mit Jazz nicht“, sagt er also. „Aber dann muss die Musik wenigstens Spaß machen – den Musikern und den Zuhörern!“

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