Bremen Das Wort „Blockbuster“ hört Christoph Grunenberg nicht so gern. Das habe immer den Anklang von Populismus und Kommerzialität, sagt der Direktor der Kunsthalle Bremen. „Große Sonderausstellung“ sei die bessere Bezeichnung für seine Präsentationen mit hochkarätigen Leihgaben, die – ausgehend vom eigenen Bestand – zumeist einem Vertreter der Klassischen Moderne gewidmet sind. Im Herbst 2016 war es Max Liebermann (1847– 1935), in diesem Jahr ist es Max Beckmann (1884–1950).

Ausstellung auch in Potsdam

Die Ausstellung „Max Beckmann – Welttheater“ ist vom 30. September bis zum 4. Februar in der Kunsthalle Bremen (Am Wall 207) zu sehen. Die Schau entsteht in Zusammenarbeit mit dem Museum Barberini in Potsdam. Dort wird sie vom 24. Februar bis zum 10. Juni 2018 gezeigt.

Max Beckmann wurde 1884 in Leipzig geboren und starb 1950 in New York. 1928 erreichte sein Ruhm den Höhepunkt mit dem Reichsehrenpreis Deutscher Kunst und einer Retrospektive in Mannheim. 1933 aber wurde Beckmann als Professor der Städelschule fristlos entlassen. 1937 verließ er Deutschland für immer.

PR auch im Zoo

Die beiden Ausstellungen verbindet nicht nur die zufällige Ähnlichkeit der Namen, sondern auch das Konzept, den Künstler im Kontext eines speziellen Themas vorzustellen. Im Falle Liebermanns war es der Sport in der Kunst, bei Beckmann das „Welttheater“. Die Werke des in Leipzig geborenen Künstlers greifen metaphorisch Motive aus dem Zirkus, Theater, Varieté und Karneval auf – die Welt als Bühne. Beckmann schrieb selbst zwei bisher kaum beachtete Dramen.

Das „#TeamLiebermann“ hatte seinerzeit landauf, landab kräftig die Werbetrommel gerührt. Diesmal ist es das „#BeckmannEnsemble“, wieder bestehend aus Mitarbeitern der Kunsthalle, die sich an Schauplätze aus der Bildwelt Beckmanns begeben, um sich dem Künstler zu nähern und zugleich auf die Ausstellung aufmerksam zu machen. Geplant seien etwa Besuche im Zoo am Meer in Bremerhaven – auch ein Seelöwe gehört zu Beckmanns Motiven – oder beim Circus Roncalli in Hannover, erläutert die Kuratorin Verena Borgmann.

Die Kunsthalle besitzt 80 Prozent des Gesamtbestandes an Beckmanns Druckgrafik. Insgesamt werden rund 140 Arbeiten gezeigt, darunter rund 40 Gemälde. 25 Leihgaben kommen aus Deutschland, 20 aus dem Ausland (USA, Schweiz, Großbritannien). Den weitesten Weg legt ein Werk aus St. Louis/USA zurück – gemeinsam mit einem Kurier. Zudem werden erstmals auch Skizzenbücher des Künstlers ausgestellt.

Ausgangspunkt für das Thema „Welttheater“ war das Gemälde „Apachentanz“ aus dem Jahr 1938, eines der wichtigsten Gemälde der Bremer Sammlung. Beckmann hatte sich von einem Tanz im Varieté inspirieren lassen. Mit Indianern hatte das wenig zu tun, sondern mit dem französischen Begriff „Apache“, wie die Kuratorin erläutert. Damit war in den 20er Jahren ein populärer, aber brutaler Tanz verbunden, der sich auf der Straße entwickelt hatte und schließlich in die Varietés kam. Der Showtanz, den Beckmann 1938 im Amsterdamer Exil malte, ist auch als politische Metapher des unter der Naziherrschaft verfemten Künstlers zu verstehen.

Besucher befragt

Dass das innovative Marketing der Kunsthalle Früchte trägt, belegen Besucherzahlen: 85 000 kamen zur Liebermann-Ausstellung. Dennoch hat das Museum in der Vergangenheit schon bessere Bilanzen vorgelegt: 140 000 Besucher kamen 2011 zu Hundertwasser, Grunenbergs Antrittsausstellung, 230 000 zu „Monet und Camille“ (2005/06) und 320 000 zu „Van Gogh: Felder“ (2002/03, beide unter der Leitung von Wulf Herzogenrath).

Womöglich ist die Zeit der endlos langen Warteschlangen vorüber. Dafür weiß die Kunsthalle Bremen nach detaillierten Befragungen, woher ihre Besucher kommen. Nach den Worten Grunenbergs nimmt gut die Hälfte einen Anfahrtsweg von mehr als 100 Kilometern auf sich. Dafür lohnt sich ausgiebiges Trommeln allemal.

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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