BREMEN Nach dem großen Publikumserfolg im vorigen Jahr mit dem „Fliegenden Holländer“ präsentierte das Theater Bremen in diesem Jahr unter dem Motto „Die Weser wird zum Nil“ Verdis „Aida“ auf der Seebühne an der Waterfront. Das kühle, aber trockene Wetter bei der Voraufführung am Sonnabend suggerierte zwar mehr „Weser“ als „Nil“, aber dafür stimmten die musikalischen Hitzegrade.

Markus Poschner und die Bremer Philharmoniker entfalteten Verdis Liebesdrama mit glutvoller Dramatik, mitreißenden Tempi und einer Dynamik, die vom zartesten Piano bis zu den großen, machtvollen Chorgesängen im Triumphmarsch keine Wünsche offen ließ. Auch die Tontechnik leistete dabei ein Meisterstück: Der Orchesterklang kam differenziert und klar ohne jede Übersteuerung rüber.

Das Sängerensemble kann man durchweg als erstrangig bezeichnen. Gweneth-Ann Jeffers gab mit dunkel timbriertem, kraftvollem Sopran eine leidenschaftliche Aida und überzeugte in der „Nil“-Arie mit schönen Crescendi. Ihre Widersacherin Amneris wurde von Khatuna Mikaberidze glutvoll und persönlichkeitsstark verkörpert. Ihr Mezzo besitzt in der tieferen Lage eine fulminante Durchschlagskraft. Luis Olivares Sandoval konnte als Radames vor allem in der Mittellage mit seinem schlanken Tenor überzeugen. Beim Schlussduett mit Gweneth-Ann Jeffers stellte sich eine perfekte Harmonie beider Stimmen ein.

Besondere Freude bereitete das Wiedersehen mit Publikumsliebling George Stevens, der den Amonasro mit der strömenden Wucht seines Ausnahmebaritons sang. Kurt Rydl war als Priester Ramphis stimmfester als bei früheren Bremer Auftritten. Franz Becker-Urban (Pharao), Christian-Andreas Engelhardt (Bote) und Karin Neubauer (Tempelsängerin) komplettierten das Ensemble.

Die von einem pyramidenähnlichen Dreieck beherrschte Seebühne, räumlich etwas erweitert, bot genug Platz für einen Auftritt des Tanztheaters Bremen (Choreografie Urs Dietrich) und ein szenisches Arrangement (Hans-Joachim Frey). Dies bestand hauptsächlich darin, dass ständig große Holzquader in immer neuen Konstellationen angeordnet wurden. Mitunter hatte man den Eindruck, dass sich eine Möbelpacker-Mannschaft auf die Bühne verirrt hatte. Dazu Fackeln am Ufer und einige Schiffe, die als schmückendes Beiwerk kreuzten, ohne allerdings, anders als beim „Holländer“, in Bezug zur Handlung zu stehen. Beim Triumphmarsch gab es Konfetti, und die Zuschauer mussten vorher verteilte Fähnchen schwingen.

Weitere Aufführungen täglich (außer am 28. Juni) noch bis zum 4. Juli, jeweils um 20.30 Uhr. Karten unter 0421/36 53 333

Alle NWZ-Theaterkritiken unter www.NWZonline.de/theater

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