Hamburg Der „Terminator“ war zu Tränen gerührt, Plaudertasche Hape Kerkeling zeigte sich fast sprachlos und auch ein selten gewordener Gast saß im Publikum. Der ehemalige Fußball-Manager Rudi Assauer tritt seit seiner Alzheimer-Diagnose nur noch selten öffentlich auf, aber die Jubiläumsgala der Goldenen Kamera ließ er sich nicht nehmen. Die von Thomas Gottschalk moderierte 50. Ausgabe des Film- und Fernsehpreises bot das eine oder andere Highlight. Nach mauen Quoten im Vorjahr war das Interesse der Fernsehzuschauer wieder etwas größer.

Schauspieler und Ex-Gouverneur Arnold Schwarzenegger (67, „Terminator“) hatte Tränen in den Augen, als ihm sein Kollege und Kumpel Danny DeVito (70, „Twins - Zwillinge“) die Goldene Kamera für sein Lebenswerk überreichte. DeVito scherzte auf der Bühne, dass er mit Verspätung zur Gala gekommen sei, weil ihn sein Weg erst nach Berlin geführt habe. „Keiner hat mir gesagt, dass das jetzt in Hamburg ist“, sagte der Laudator. Die Hansestadt hatte sich die Goldene Kamera nach Jahrzehnten wieder von Berlin zurückerobert.

Für seinen Freund, den gebürtigen Steirer Arnold Schwarzenegger, sei er nach Deutschland gereist. „Es war immer spaßig mit ihm“, meinte DeVito. Schwarzenegger saß in der ersten Reihe und eilte auf die Bühne. „Deutschland war für mich immer schon ein Sprungbrett in die USA und zum Erfolg“, sagte Schwarzenegger, der sich bereits am roten Teppich auf eine riesige „Gaudi“ mit seinen Freunden Gottschalk und DeVito freute.

Weniger tränenreich erstaunte Hape Kerkeling (50), als er sich „bei der Jury, den Fans, meiner Oma und meinem Mann“ bedankte. Sein Privatleben hält Kerkeling eher bedeckt, seit er 2011 die Trennung von seinem Lebensgefährten Angelo Colagrossi nach fast 30-jähriger Beziehung öffentlich gemacht hatte. Fast erschrocken, weil so unerwartet, nahm der Comedian die Jubiläums-Kamera der Jury entgegen. „Ich bin wirklich sehr überrascht“, sagte er.

Bei der Kür der besten Nachwuchsschauspielerin durfte das Publikum - darunter Rudi Assauer, der am roten Teppich nicht zu sehen war - wieder schmunzeln: Dietmar Bär überraschte die 22-jährige Maria Ehrich („Adlon“), die eigentlich davon ausging, dass sie ihm den Preis überreichen würde. Erst bei Bärs vermeintlicher Dankesrede wurde ihr langsam klar, dass die Trophäe für sie bestimmt war.

Ein Selfie mit dem „Terminator“ - für den britischen Sänger Olly Murs war das ein wichtigeres Ziel an dem Abend als seine Auszeichnung als bester internationaler Sänger. „Ich bin so aufgeregt, direkt hinter Schwarzenegger zu sitzen, hoffentlich kann ich ein Foto von uns beiden machen“, kündigte Murs noch am roten Teppich an. In der Kategorie „Beste Musik National“ wurde Herbert Grönemeyer (58) ausgezeichnet.

Mit zwei Auszeichnungen wurde die „Tatort“-Folge „Im Schmerz geboren“ der Abräumer des Abends: Das Team rund um Ulrich Tukur (57) gewann den Preis als bester Fernsehfilm, Darsteller Ulrich Matthes bekam die Goldene Kamera als bester deutscher Schauspieler. „Ich bin over the top“, sagte der 55-Jährige mit hektischen Handbewegungen.

Besonders die weiblichen Gäste waren von dem zweifachen Oscar-Preisträger Kevin Spacey (1995 für „Die üblichen Verdächtigen“ und 1999 für „American Beauty“) angetan. „Moin, Moin“, begrüßte der 55-Jährige das Hamburger Publikum. Erst nach und nach erhoben sich auch die Männer von den Plätzen. „Es war für mich die beste Entscheidung, Schauspieler zu werden“, sagte der Hollywood-Star, der den Preis als bester internationaler Schauspieler entgegennahm.

„Voller Respekt und Bewunderung“, würdigte Laudatorin Iris Berben (64) ihre amerikanische Kollegin Susan Sarandon (68), die sich auf der Bühne stürmisch umarmten. Der Hollywood-Star legte nach Dankesworten noch eine kurze politische Rede nach. „Künstler sollen ein schonungsloses Sprachrohr der Gesellschaft sein“ und sich gegen Rassismus und Ausgrenzung einsetzen.

Mit weniger Hingebung haucht die Deutsche Martina Gedeck (53) einige „Dankeschön“ in das Mikrofon, als sie für ihre Rolle als Neuköllner Jugendrichterin Kirsten Heisig in dem Spielfilm „Das Ende der Geduld“ als beste Schauspielerin ausgezeichnet wurde.

Beim Zuschauerinteresse berappelte sich die am Freitag aufgezeichnete und am Samstagabend im ZDF ausgestrahlte Gala wieder etwas. 3,77 Millionen Zuschauer schalteten ein (12,9 Prozent). Im vergangenen Jahr waren es 3,42 Millionen (11,0 Prozent).

Insgesamt verlief die dreistündige Jubiläums-Gala in den Hamburger Messehallen routiniert und wenig spektakulär. Ein Gänsehaut-Moment zeigte sich, als die Hamburgerin Ina Müller - für ihre lose Zunge bekannt - mit einem eigens für diesen Anlass komponierten Lied an die in den vergangenen Jahren verstorbenen Stars erinnerte: unter ihnen Udo Jürgens, Monica Bleibtreu und Rudi Carrell. Da schossen nicht nur Schwarzenegger, sondern auch den deutschen Stars die Tränen in die Augen.

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