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Tel Aviv (dpa) - Der israelische Schriftsteller Amos Oz ist tot. Der weltbekannte Autor ("Eine Geschichte von Liebe und Finsternis") starb im Alter von 79 Jahren, wie sein Enkel Nadav Salzberger am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in Tel Aviv bestätigte.

Oz galt als Galionsfigur der israelischen Friedensbewegung und wurde immer wieder als Kandidat für den Literaturnobelpreis genannt. Der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin äußerte Trauer über seinen Tod und würdigte ihn als "literarischen Giganten". Rivlin sagte: "Ruhe in Frieden, unser geliebter Amos."

Die Tochter Fania Oz-Salzberger schrieb am Freitag bei Twitter: "Mein geliebter Vater, Amos Oz, ein wunderbarer Familienmensch, ein Autor, ein Mann des Friedens und der Mäßigung, ist heute nach einem kurzen Kampf mit Krebs friedlich eingeschlafen." Oz sei im Kreise seiner Familie gestorben. "Möge sein gutes Erbe weiter die Welt verbessern."

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kondolierte nach Angaben des Bundespräsidialamts der Witwe Nily Oz. "Für Amos Oz war der Kampf gegen Gewalt und Fanatismus jeder Couleur – auch im eigenen Land – zum Lebensthema geworden. Die Sehnsucht nach Frieden war sein tägliches Ringen", schrieb Steinmeier demnach in seinem Kondolenzschreiben. "Er lehnte das Entweder-Oder, Sieg oder Untergang ab und drang auf den Dialog zwischen Feinden." Oz sei "Gesicht und Stimme einer zeitgenössischen israelischen Literatur" gewesen, "die sich stets für Frieden und Aussöhnung im Nahen Osten einsetzte. Seine Stimme wird fehlen." Er selbst verliere mit Oz' Tod einen Freund.

Bundesaußenminister Heiko Maas sagte nach Angaben des Auswärtigen Amtes, mit Oz sei nicht nur ein großer Schriftsteller gestorben, "der mit seinen Geschichten auch in Deutschland unzählige Menschen fesseln konnte, sondern auch ein mutiger, unerschrockener Verfechter eines Friedens im Nahen Osten". Oz habe "uns immer wieder mit seinen klugen, mahnenden Worten zum Nachdenken gebracht und uns daran erinnert, dass der Frieden nur kommt, wenn wir dafür kämpfen". Maas sagte: "Wir werden Amos Oz sehr vermissen."

Auch das Internationale Auschwitz Komitee würdigte Oz. "Überlebende des Holocaust verneigen sich in Trauer und Dankbarkeit vor dem großen israelischen Schriftsteller Amos Oz, der in vielen seiner Bücher und Schriften auch ein präziser und wortmächtiger Chronist ihrer Verluste, Empfindungen und Erinnerungen gewesen ist", erklärte der Exekutiv Vizepräsident Christoph Heubner. "Gerade in der lauten und hasserfüllten Welt dieser Tage wird uns die kluge, differenzierende und beharrliche Stimme von Amos Oz bitter fehlen."

Oz kam 1939 unter dem Namen Amos Klausner in Jerusalem als Sohn jüdischer Einwanderer aus der Ukraine zur Welt. In seiner hochgebildeten, rechts-zionistischen Familie wuchs er inmitten von Büchern auf. Seine Eltern waren aktiv in literarischen Kreisen der damaligen intellektuellen Elite Jerusalems, sein Onkel war der Gelehrte Josef Klausner, in dessen Haus Oz als Kind ein- und ausging. Als junger Mann kannte Oz auch den bedeutenden hebräischen Schriftsteller Samuel Josef Agnon, der 1966 als erster und bislang einziger Israeli den Literaturnobelpreis bekam. Mit dem israelischen Staatspräsidenten Reuven Rivlin ging er zur Schule.

Persönliche und nationale Traumatisierungen sind zentrale Themen im literarischen Werk von Oz, der als Zwölfjähriger den Selbstmord seiner Mutter miterlebte. Die schwere Erschütterung, die sein Leben zutiefst prägte, beschrieb er in seinem autobiografischen Roman "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis".

Drei Jahre nach dem Tod seiner Mutter zog er in den Kibbuz Chulda und änderte seinen Familiennamen von Klausner zu "Oz", was auf Hebräisch Stärke bedeutet. Er habe damals rebelliert und mit der Namensänderung symbolisch seinen Vater umgebracht, schrieb Oz später, "um auf den Trümmern ein neues Leben aufzubauen".

Auch seine ersten Erzählungen und das Buch "Unter Freunden" basierten auf seinen Erfahrungen mit dem Leben in der Kollektivsiedlung. Oz studierte an der Hebräischen Universität in Jerusalem Literatur und Philosophie. Seitdem hat er zahlreiche Romane und Erzählungen geschrieben und ist mit einer ganzen Reihe von Preisen ausgezeichnet worden, darunter dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels (1992), dem Siegfried Unseld-Preis (2010) und dem Franz-Kafka-Preis (2013). In Deutschland bekannte Werke von Oz sind etwa "Mein Michael", "Der perfekte Frieden", "Black Box", "Ein anderer Ort" und "Eine Frau erkennen".

Der verheiratete Vater von drei Kindern und mehrfache Großvater wurde immer wieder für den Literaturnobelpreis genannt, aber nie ausgezeichnet. In seinem Roman "Judas" (2015) beschäftigte sich Oz, der seine letzten Jahre in Tel Aviv verbrachte, mit dem Thema Verrat.

Er sei zwar Friedensaktivist, aber kein weltfremder Pazifist, hat Oz immer wieder betont. So unterstützte der Autor, der selbst in einer Panzereinheit im Sechstagekrieg 1967 und im Jom-Kippur-Krieg 1973 gekämpft hat, im Sommer 2014 auch die israelische Militäroffensive im Gazastreifen.

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