WACKEN Die Bässe wummern, und die Beats sind hart: Wenn Heavy-Metal-Fans ihre Musik hören, kann sie gar nicht laut genug sein. Auf dem Wacken-Open-Air (W:O:A) erreicht der Sound die Lautstärke eines startenden Düsenjets. Und das nicht irgendwo in der Feldmark, sondern unmittelbar am Ortsrand der Gemeinde bei Itzehoe.

Damit die 1800 Einwohner und ihre 4000 Kühe trotzdem schlafen können, haben W:O:A-Veranstalter Thomas Jensen und Holger Hübner ganz tief in die Trickkiste gegriffen: Eine über zehn Meter hohe Lärmschutzwand der neuesten Generation wurde zum Dorf hin errichtet sowie Hightech-Lautsprecher auf den Open-Air-Bühnen eingesetzt.

Natürlich seien 120 Dezibel bei modernen Lautsprechern genauso laut wie bei den alten, erklärt Festival-Sprecherin Britta Kock. Der Unterschied sei, dass die neuen nicht mehr in alle Richtungen schallen, sondern ganz gezielt in eine. So herrscht im Dorf zwar keine himmlische Ruhe, in Kombination mit der Lärmschutzwand bleibt die Lautstärke dort jedoch auf ein erträgliches Maß beschränkt. Die Festival-Besucher bekommen aber immer noch den vollen dröhnenden Genuss.

Entsprechend blieb auch die laute Abschieds-Show der Rockgruppe Scorpions aus Hannover am Sonnabend weitgehend auf das Festival-Gelände beschränkt. Mit dem Song „Sting In The Tail“ startete die Band um Rudolf Schenker (63) vor Zehntausenden begeisterten Fans ihren offiziell letzten Open-Air-Auftritt in Deutschland. „Wir wollen aufhören, solange wir noch gut sind“, erklärte der künftige Rock-Rentner Klaus Meine (64) vor Beginn der Bühnen-Show.

Die Auftritte anderer Bands kamen bei den Fans ebenfalls laut und gut an. Jens aus dem nahen Wilster sagte begeistert über den Punkrock der deutschen Gruppe Betontod: „Es war hammermäßig“, während sein Freund Sebastian sich über den Auftritt von Megaherz freute. „Ob Punk, Metal, oder Deutschrock – mir ist die Richtung egal. Hauptsache, es ist rockig“, sagte der 30-Jährige. „Die Musik muss passen. Ich stehe nicht auf reinen Metal, wo nur Geschreie ist. Es muss melodisch sein.“

Von Donnerstag bis zum frühen Sonntagmorgen hatten insgesamt 75 000 Heavy-Metal-Fans aus 35 Ländern trotz wolkenbruchartiger Regenfälle und stark verschlammter Wege in Wacken gefeiert.

Überschattet wurde das Festival von einem Todesfall: Ein junger Mann aus Süddeutschland starb auf der Ladefläche seines Autoanhängers wahrscheinlich an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung, nachdem Gase eines Notstromaggregats unter sein Zeltdach geströmt waren, wie Polizeisprecher Hermann Schwichtenberg mitteilte: „Das ist ein tragischer Unglücksfall.“ Rettungskräfte versuchten 30 Minuten lang vergeblich, den Mann zu reanimieren.

Ansonsten zog die Polizei ein positives Fazit des Rock-Spektakels. „Das Wacken-Open-Air ist ein insgesamt sicheres Festival“, sagte Schwichtenberg. Trotz der insgesamt 100 000 Menschen auf dem Gelände mussten die Beamten nur 430 Anzeigen schreiben, davon 300 Taschendiebstähle und Diebstähle aus Zelten.

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