Oldenburg „Hahaha!“ Einen letzten Lacher haben uns die Beatles an diesem Tag vor genau 50 Jahren hinterlassen. Nachdem Paul McCartney „Get back to where you once belonged ... uuuuh“ gesungen hatte, der Schlussakkord der Live-Aufnahme erklungen war und sich John Lennon mit „I’d like to say thank you on behalf of the group and ourselves. I hope we passed the audition!“ leicht spöttisch beim handverlesenen Publikum auf dem Dach des Gebäudes von Apple Records an der Londoner Saville Row bedankt hatte, reagiert die umstehenden Schaulustigen hörbar belustigt. Niemand ahnte im Januar 1969, dass diese Einspielung ein magischer Moment war – die „Famous last words“ der Beatles.

Am 8. Mai 1970 veröffentlichte die eigene Plattenfirma Apple Records das Album „Let It Be“ – der Titel war aussagekräftiger als die meisten annahmen, aber wohl viele ahnten. Es war nicht weniger als das Ende einer Ära. Der Urknall der Populärmusik hatte sich nach gut zehn Jahren in seine vier Einzelteile aufgelöst.

Am Ende sollten die Aufnahmen aus dem Frühjahr 1969 nach wachsender Lustlosigkeit und zahllosen Streitereien untereinander nur noch irgendwie auf den Markt kommen. In der Gemengelage der Eitelkeiten hatten die Produzenten Glyn Johns und Phil Spector kräftig ab- und mitgemischt. Es waren musikalische Versatzstücke der drei genialen Individualisten Paul McCartney, John Lennon und George Harrison. Ringo Starr saß derweil am Schlagzeug zur Verfügung.

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Anders als die überbordende Begeisterung der Kritiker in den rockmusikalisch opulenten Sechzigerjahren, war die neueste Scheibe für viele nur noch eine Randnotiz: „Schwanengesang der Beatles“ hieß es am 23. Mai 1970, drei Wochen nach Erstveröffentlichung, in einer dürren Zehnzeilenmeldung in dieser Zeitung.

Ob die Schockwellen der Trennung die Fans animierten und „Let It Be“ drei Wochen später auf Platz eins der britischen Charts brachten, wo es mit Unterbrechungen insgesamt sechs Wochen verblieb, ist offen. Insgesamt war es das elfte Nummer-eins-Album der Beatles in ihrem Heimatland.

Die Aufnahmen im Januar 1969 waren zudem von Regisseur Michael Lindsay-Hogg mit Filmkameras begleitet worden, die Dokumentation feierte am 13. Mai Premiere in den US-Kinos. Der Film „Let It Be“ wurde am 16. März 1971 mit dem Grammy ausgezeichnet, die Auszeichnung nahm Paul McCartney entgegen. Am 15. April 1971 wurden die Beatles gar mit einem Oscar gekrönt. Den Preis in der Kategorie Beste Filmmusik nahm stellvertretend US-Produzent Quincy Jones entgegen.

Über Aufstieg und Fall der bedeutendsten und vielfältigsten Band aller Zeiten ist von Kulturjournalisten fast alles geschrieben worden, auch von deutschsprachigen Roman-Autoren wie Jochen Schimmang, Klaus Modick, Gerhard Henschel und Frank Goosen, die die Beatles zum Thema machten.

Mit dem musikalischen Vermächtnis gestaltete es sich da schon schwieriger. Für Liebhaber der Beatles erfüllte es fünf Jahrzehnte lang den Tatbestand der Blasphemie, die legendären Alben von schnöden Musikern in deren eigener Version eingespielt zu wissen. Nach dem Motto „Oft kopiert, nie erreicht“ arbeiteten sich Revival-Bands vergeblich ab.

Bis die niederländische Formation „The Analogues“ antrat, um die Alben der „Fab Four“ ab 1967 quasi werkgetreu einzuspielen. Formidabel gelungen war dies bereits in der Umsetzung von „Magical Mystery Tour“, „Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band“ und zuletzt dem „White Album“, mit dem die Band im Frühjahr 2019 in Bremen das Publikum faszinierte. Das nächste, dort für den 2. Oktober 2020 angekündigte Konzert soll „Abbey Road“ und „Let It Be“ auf die Bühne bringen. Vermutlich eins zu eins bis zum Dank ans Publikum – Lacher inklusive.

Oliver Schulz Leitender Redakteur / Redaktion Kultur/Medien
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