OLDENBURG Sie sind zwischen 14 und 20 Jahre jung und schwärmen fürs Theaterspielen. In der Exerzierhalle des Oldenburgischen Staatstheaters ging jetzt ihr Traum in Erfüllung, selbst im Rampenlicht zu stehen. Zur Premiere kamen „Yvonne“, eine Groteske des polnischen Schriftstellers Witold Gombrowicz (1904–1969), sowie „Hirsche und Hennen“, eine Komödie des Engländers Willy Russell (60).

Kompliment für Theaterpädagogin Hanna Wanders: Statt alle Mitwirkenden in ein Stück zu packen, hat sie lieber gleich zwei einstudieren lassen. Das macht mehr Arbeit, lohnt aber. Tatkräftig zur Seite standen ihr dabei Sinja Krüger, die ein freiwilliges soziales Jahr absolviert und Christiane Goulard, die zuletzt bei „Nipplejesus“ Regie führte.

Klar, dass die jungen Leute keine Profis sind und man das Schauspiel der Jugend anders betrachtet. Dennoch muss der Vergleich zweier Stücke erlaubt sein, die unter nahezu gleichen Bedingungen entstanden sind. Und dabei gefällt „Yvonne“ noch etwas besser als „Hirsche und Hennen“.

Das mag in den Stücken selbst begründet sein. „Yvonne“ geht in die Tiefe. Wie Struwwelpeter steht das hässliche Mädchen da. Die Haare wirr, der Blick schief. Sie spricht kein Wort und lässt mit sich geschehen. Aus grundbösem Überfluss will Prinz Philipp die stumme Zimperliese heiraten.

Was auf den ersten Blick wie eine verspielte Königsfarce wirkt, geht mit zunehmender Häme, Ironie und Gewalt unter die Haut. Die Regie von Sinja Krüger ist pfiffig. Der Prinz schnipst mit den Fingern und kurze Szenen wechseln mit Schattenspielen hinter einer durchschimmernden Plexiglaswand ab. Dazu der ohrenbetäubende Beat des immer wiederkehrenden Songs „Hysteria“ (Muse).

Beeindruckend dabei die Leistung aller 16 Schauspieler, allen voran Leonie Kamm als Yvonne, Nicholas Epstein als Prinz, sowie Jörn Kroll und Neele Müller als Königseltern.

Einer Soap gleicht die Komödie „Hirsche und Hennen“. Autor Willy Russell macht seinem Handwerk als gelernter Friseur alle Ehre. Nur dass er den Friseursalon gegen die Toilettenräume einer Disco im englischen Nirgendwo eingetauscht hat.

Linda und Dave feiern Junggesellen-Abschied, sie wollen am nächsten Tag heiraten. Während Dave die gesamte Zeit kotzend am Boden liegt, flirtet Linda-Schätzchen mit ihrem Exfreund Peter. Und Daves Kumpel haben nichts anderes im Hirn, als „Nummern zu schieben mit Torten“. Und Lindas Freundinnen kreischen wie aufgeregte Hühner.

Die 17 Rollen sind nahezu gleichwertig besetzt, für Michel Brandt, der als Daves Freund Eddy schön überzeugt, hätte man sich noch mehr Text gewünscht.

Die beiden Stücke der beiden Theaterclubs werden nur noch an diesem Wochenende gezeigt (5. Juli, 19 Uhr „Yvonne“ und 20.45 Uhr „Hirsche und Hennen“; 6. Juli 14 Uhr „Yvonne“ und 15.45 Uhr „Hirsche und Hennen“, 19 Uhr „Yvonne“ und 20.45 Uhr „Hirsche und Hennen“.

Karten: 0441/222 51 11.

Alle NWZ-Theaterkritiken unter:

www.NWZonline.de/theater

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