München Der Cousin von Cornelius Gurlitt, Dietrich Gurlitt, hat sich von dem neuen Gutachten über den Kunstsammler distanziert. „Mit den Versuchen einiger Verwandter, den Geisteszustand von Cornelius anzuzweifeln, habe ich nichts zu tun“, schrieb Dietrich Gurlitt an den Direktor des Kunstmuseums Bern, Matthias Frehner, in einer E-Mail, die sein Sohn Christoph Gurlitt übermittelte. Das Museum bestätigte am Dienstag den Eingang der E-Mail.

Der im Mai gestorbene Gurlitt hatte seinen Besitz dem Kunstmuseum Bern vermacht - darunter hunderte Kunstwerke aus seiner Wohnung in München-Schwabing und seinem Haus in Salzburg. Das Kunstmuseum Bern will seine Entscheidung über die Annahme des Erbes am 26. November bekanntgeben.

Die Sammlung Gurlitt umfasst hunderte Werke, bei denen es nicht auszuschließen ist, dass es sich um Nazi-Raubkunst handelt. Nach Angaben eines Sprechers der Taskforce „Schwabinger Kunstfund“ müssen 492 Werke auf ihre Herkunft untersucht werden. Nach weiteren Funden wurde die Zahl nach oben korrigiert. Erst bei zwei Bildern, der „Sitzenden Frau“ von Henri Matisse und „Zwei Reiter am Strand“ von Max Liebermann, ist die Provenienzrecherche abgeschlossen. Das Ergebnis: Bei den Gemälden handelt es sich um Raubkunst.

„Wie bereits im Mai erklärt, hoffe ich, Sie geben eine positive Entscheidung bezüglich des Cornelius-Gurlitt-Erbes bekannt“, schrieb der 95-jährige Dietrich Gurlitt an das Museum.

Das Gutachten des Psychiaters und Juristen Helmut Hausner, demzufolge Cornelius Gurlitt an „paranoiden Wahnideen“ litt, habe Dietrich Gurlitt nicht in Auftrag gegeben, betonte sein Sohn und verwies auf eine Stellungnahme der Gurlitt-Angehörigen vom Mai dieses Jahres. Darin hieß es: „Wir begrüßen vollumfänglich das Testament von Cornelius Gurlitt, das das Berner Kunstmuseum zum alleinigen Erben seiner wertvollen Sammlung macht und unterstützen dies ausdrücklich.“ Und: „Wir wollen und werden dazu beitragen, dass der letzte Wille des Verstorbenen ungehindert umgesetzt wird.“

Sollte das Kunstmuseum Bern, das Gurlitt in seinem Testament als Alleinerben einsetzte, die Erbschaft ausschlagen, würde Dietrich Gurlitt gemeinsam mit seiner Schwester Uta Werner die millionenschwere Kunstsammlung erben. Am 26. November will das Museum seine Entscheidung bekanntgeben.

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Nach Ansicht des Juristen Wolfgang Seybold, der Uta Werner und einen Teil der Familie - nicht aber Dietrich Gurlitt - vertritt und das Gutachten in Auftrag gab, ist Gurlitts Testament ungültig. „Das Gutachten bedeutet, dass das Testament, das Cornelius Gurlitt am 9. Januar 2014 verfasst hat, nicht wirksam ist und damit Bern nicht Erbe wird“, sagte er dem 3sat-Magazin „Kulturzeit“.

Der Kunstsammler Cornelius Gurlitt, der monatelang im Zentrum einer hitzigen Raubkunst-Debatte stand, war am 6. Mai im Alter von 81 Jahren in München gestorben. Kurz darauf wurde bekannt, dass er seinen kompletten Besitz dem Berner Kunstmuseum vermachte.

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