Oldenburg Mit einer von Intendant Christian Firmbach keck und burschikos moderierten Gala öffnete das Oldenburgische Staatstheater den Vorhang für die neue Spielzeit. Kurzweilige drei Stunden lang machten die verschiedenen Ensembles des Oldenburgischen Staatstheaters mit Appetithäppchen aus kommenden Inszenierungen Lust auf die ganze Oper, das ganze Ballett, das ganze Schauspiel und die ganze Lesung. Ohne sich extra in die Programmvorschau vertiefen zu müssen, bekam der Theatergänger im voll besetzten Großen Haus einen ebenso bequemen wie eindrücklichen Überblick über die Neuinszenierungen der Saison.

Auf Richard Wagners „Walkürenritt“ mag auch Hollywood nicht verzichten. Der berühmte Ritt mit dem anschließenden Palaver der acht Walküren-Halbschwestern eröffnete denn auch dramatisch und furios die Gala. Eigentlich sind Wagner-Opern keine Häppchen-Lieferanten, aber die Kostprobe unter der musikalischen Leitung von Hendrik Vestmann ließ erahnen, welche Neuinszenierung am gewichtigsten sein wird.

Schwere und Tiefsinn

Die Überraschung der Saison dürfte die deutsche Erstaufführung der polnischen Oper „Maria“ von Roman Statkowski werden, denn die Arie des Waclaw und der Chor ließen die emotionale Kraft und Tiefe dieser Oper erahnen. Wenn Statkowski für Schwere und Tiefsinn steht, dann „Carmen“ von Bizet für eine farbige und rhythmische Dramatik. Das kunstvolle „Schmugglerquintett“ gab von diesen Qualitäten einen beredten Eindruck.

Für die Freunde der Barock-Oper steht etwas Seltenes auf dem Spielplan: Johann Adolph Hasses „Siroe“ mit einer glänzend aufgelegten Hagar Shavit. Außerdem zwei absolute Publikumslieblinge: Mozarts „Entführung aus dem Serail“ und Verdis „Rigoletto“. Diese unsterblichen Melodien müssen gar nicht angepriesen werden, aber die Stimmen des Opern-Ensembles können sich wirklich hören lassen! Ein stimmlicher Höhepunkt des Abends war die intensive Arie der Gilda, dargeboten von Sooyeon Lee in Höchstform.

Für die Freunde der deutsch-romantischen Spieloper werden gleich zwei Leckerbissen aufgetischt: Otto Nicolais „Die lustigen Weiber von Windsor“ und Albert Lortzings „Der Wildschütz“, aus der die berühmte Arie des Baculus, „Fünftausend Taler“ vom jungen und überzeugenden Stephen Foster gesungen wurde. Drei Einzelstücke aus Rossinis „La Cenerentola“ schlossen das bunte Opern-Potpourri ab, darunter die Arie der Angelina, gesungen von der stimmlich überzeugenden Yulia Sokolik.

Improvisierte Lesung

Aber am Staatstheater wird nicht nur geopert. Das Ballett ist mit einer vielversprechenden Inszenierung von Antoine Jullys „Solo“ vertreten, das niederdeutsche Schauspiel mit Ken Ludwigs „Otello draf nich platzen“. Dieses Stück verspricht ein intelligent-witziges Ereignis zu werden.

Neben einer improvisierten „Prima Vista“-Lesung von Katharina Shakina und Thomas Lichtenstein fesselte die zur dramatischen Szene ausgebaute Lesung der Schiller-Ballade „Die Kraniche des Ibykus“ von Johannes Lange. Wie schön, wenn man das zu Hause nachahmen könnte. Klappt leider nicht. Also doch ab ins Staatstheater!

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