Oldenburg Stacy Keach gilt derzeit als bester Shakespeare-Schauspieler der USA. Und Stacy Keach gilt, seit er 2007 Präsident der Wettbewerbsjury war, als Freund des Filmfestes Oldenburg.

Zwei Attribute, die nun verbunden werden: Der US-Mime (unter anderem „Mike Hammer“ und „Flucht aus L.A.“) ist Solodarsteller des Werbetrailers für die 22. Ausgabe des Festivals vom 16. bis 20. September – und die darin erzählte Geschichte ist stark angelehnt an Shakespeares „Heinrich IV.“.

Wieder zu wenig Geld

Regisseurin des Kurzfilms ist Schauspielerin Deborah Kara Unger, assistiert von Festivaldirektor Torsten Neumann, und gedreht wurde (mit viel Hilfe von Freunden, mithin preisgünstig) in einem kleinen Theater in Los Angeles.

Stacy Keach monologisiert frei nach „Heinrich IV.“ über den Sinn von Machterhalt und Machtverlust. Beispiel dafür ist ihm das Filmfest Oldenburg, das zu erleben „süchtig macht“, wie Keach ins Mikrofon donnert, bevor er zu Zigarette und Bourbon greift.

Die beeindruckende Darstellung von Stacy Keach, die als Aufruf zur finanziellen Absicherung des Festivals zu verstehen ist, ist ab Donnerstag, 20. August, bundesweit auf mehr als 70 Leinwänden zu sehen – künstlerische wie mediale Vorschusslorbeeren, die Neumann sich zu verdienen gedenkt. „Natürlich sind wir wieder mal unterfinanziert, aber wir machen daraus das Beste“, betont er eingedenk des eher schmalen 300 000-Euro-Etats.

Und was sein Team daraus macht, ist beachtlich. Diverse Stars und über 40 Arbeiten des internationalen unabhängigen Films werden präsentiert, als Welt-Uraufführung, Europa-Premiere oder deutsche Erstvorstellung.

Das Programm ist zwar in Details noch auf die Festivals in Toronto und Venedig abzustimmen, einiges steht aber fest: „Tangerine“ von Sean Baker, der mit einem iPhone gedrehte „Überflieger der Saison“ (so Neumann), der Thriller „Dark“ von Nick Basile mit Whitney Able oder das Drama „Too Late“, dessen Regisseur Dennis Hauck vom Oldenburger Festival schwärmt: „Einmalig in Atmosphäre, Wahrnehmung und Resonanz“.

Retrospektive

Weitere Höhepunkte sind die Premiere der ersten Teile der RTL-Fernsehserie „Gottlos“. Regisseur Thomas Stiller beschäftigt sich darin frei von künstlerischen Auflagen mit der Frage, warum Menschen zu Mördern werden. Die alljährliche Retrospektive ist derweil dem US-Filmemacher George Armitage gewidmet. Sieben seiner Werke werden gezeigt, darunter „Grosse Pointe Blank“ mit John Cusack und „The Big Bounce“ mit Owen Williams.

Was beweist: Große Namen sind auch bei kleinem Budget möglich. Sei es bei Shakespeares „Heinrich IV.“ in Falstaffs Taverne oder bei Torsten Neumann im Filmfestival Oldenburg.

Klaus Fricke
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