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WILHELMSHAVEN Alle neun Sinfonien von Beethoven hat die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen auf CD festgehalten. Hinter sich gelassen hat sie ihr Projekt nicht. Wenn sie sich im Sinfoniekonzert in Wilhelmshaven in der Stadthalle in Schuberts Neunte C-Dur D 944 stürzt, dann wähnen sich die Hörer manchmal in Beethovens Zehnter.

Doch Vorsicht! Heinz Holliger, der Gastdirigent, degradiert Schubert nicht zum Beethoven-Verschnitt. Das Riesenwerk bekommt in Form, Dämonie und Utopie eine atemnehmende eigene Dimension. Der Schweizer macht sich nur zu Nutze, wie hoch die Bremer ihre Spielkultur mit dem hoch nervösen Beethoven getrieben haben. Sie fahren wie durch Wildwasser, bei aller Präzision hellwach für Kurskorrekturen, immer mit Mut zum Risiko.

Vom ewigen Wanderer und Liedsänger Schubert lässt Holliger wenig spüren. Wenn er im achten Takt die Geigen und Bratschen nicht weihevoll hereinschweben lässt, sondern sie fragend hereinhuschen, dann kann das verstören. Doch sein Öffnen menschlicher Regungen anstelle des Ausbreitens von Erhabenheit ist weniger anfechtbar als grandios.

Holliger bleibt konsequent. Sein geringer Tempounterschied zwischen Einleitungs-Andante und Allegro non troppo entspricht Schuberts Spätstil. Den Zusammenbruch im langsamen Satz muss er nicht durch Beschleunigung betonen. Dem Scherzo fehlt ein wenig diese Stringenz. Die gehetzten Figuren im Finale kommen ungemein plastisch. Der Schlussakkord endet folgerichtig im ersterbenden Diminuendo.

Ein Solist mit ebenso viel Wagemut ist Christian Tetzlaff. Beim Weltklasse-Geiger aus Hamburg mischen sich Virtuosität und Disziplin mit steter Entdeckerlust. In Dvoraks a-Moll-Konzert glänzt er mit wunderschönem Ton ohne Drücker, natürlichem Fluss, ungeheurer Expressivität – und wie alle einem Misstrauen gegenüber den naiv scheinenden böhmischen Floskeln. Dieser Dvorak liegt näher bei Mendelssohn als bei Brahms.

Weitere Perlen: Mozarts kurze Maurerische Trauermusik und Holligers quasi als Ergänzung gefasstes Ostinato funebre.

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