BREMEN BREMEN/DENK - Es war eine der letzen Taten von Kurt Hübner während seiner legendären Intendanz in Bremen, das „Concordia“ als Spielstätte zu etablieren. Zur „Geburtsstunde“ gab es 1971 „Yvonne, Prinzessin von Burgund“. Später inszenierten dort u. a. Regisseure wie Fassbinder oder George Tabori. Uraufführungen, vornehmlich im Musiktheater, prägten das Bild des „Concordia“ in der inzwischen ebenfalls legendären Intendanz von Klaus Pierwoß. Nun soll nach dem Willen der bremischen Kulturpolitik, wenn sie diesen Namen denn verdient, die traditionsreiche Spielstätte geschlossen werden. Da kommt der letzten Premiere, dem unvollendet gebliebenen Schauspiel „Die Riesen vom Berge“ von Luigi Pirandello (1867– 1936), symbolhafte Bedeutung zu, zumal das Stück ein flammendes Plädoyer für die Freiheit von Kunst ist.

Die Handlung spielt in der Villa Pechvogel, die vom Zauberer Cotrone und einigen gescheiterten Existenzen bewohnt wird. Eine Schauspieltruppe verirrt sich dorthin: Gräfin Ilse führt seit Jahren das Stück eines Dichters auf, der in sie verliebt war und sich aus Kummer umgebracht hat. In dieser Villa regiert die Fantasie und die Kraft der Imagination. Es ist ein Raum der Illusionen. Regisseur und Ausstatter Andrej Woron lag das Stück gut. Er zeichnete die Typen individuell, mit Leidenschaft und Humor. Wichtiger Bestandteil der Inszenierung war die Musik von Janusz Stoklosa. Am Schluss rezitiert Ilse immer wieder ihren Monolog, während die anderen ergriffen sich im Takt der Musik wiegen. Das hatte teilweise etwas von Roncalli und von einem Fellini-Film.

Getragen wurde die Premiere von einer begeisternden Ensemble–Leistung, darunter besonders von Irene Kleinschmidt, Martin Baum und Dieter Montag. Und die titelgebenden Riesen? Sie sind ein grobes Volk, das Theater niederreißen will. Sie treten im Stück nicht auf. Brauchen sie auch nicht, denn wir kennen sie.

Karten: 0421/36 53 333

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