Schleswig Die Wikingersiedlung Haithabu und das Grenzbauwerk Danewerk bei Schleswig werden Weltkulturerbe. Eine entsprechende Entscheidung traf das Unesco-Welterbekomitee am Samstagabend in Bahrain. Die beiden archäologischen Stätten seien ein einzigartiges Zeugnis der Wikingerzeit und ihrer kulturellen Traditionen, heißt es in der Begründung des Komitees. Nach dem Nationalpark Wattenmeer und der Hansestadt Lübeck ist die Wikingerstätte das dritte Unesco-Welterbe in Schleswig-Holstein.

Die Auszeichnung sei eine große Ehre, sagte Schleswig-Holsteins Kulturministerin Karin Prien (CDU) in Kiel. Maria Böhmer, Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, erklärte: „Die Stätte macht deutlich, dass unsere Geschichte seit jeher vom Handel und Austausch über nationalstaatliche Grenzen hinweg geprägt ist.“

Im frühen Mittelalter galt Haithabu als größte Handelsmetropole der Wikinger. Bis zu 3000 Menschen lebten auf 24 Hektar und wurden von einem Halbkreis-Wall geschützt. In Haithabu liefen wichtige Fernhandelswege zusammen, und auch die christliche Mission konnte dort Fuß fassen. Selbst byzantinische und arabische Kaufleute segelten nach Norden zum „Ort auf der Heide“, wie er übersetzt heißt.

Mitte des 11. Jahrhunderts ging es mit Haithabu zu Ende. Die Stadt am südlichen Ufer der Schlei wurde zerstört, die Bewohner zogen nach Schleswig aufs nördliche Ufer des Ostseearms. Vor gut 1200 Jahren wurde Schleswig als „Sliesthorp“ erstmals urkundlich erwähnt. Haithabu blieb in den folgenden Jahrhunderten weitgehend unbebaut und bietet daher den Archäologen heute ein ideales Arbeitsfeld.

Schon um 1900 begannen die ersten archäologischen Ausgrabungen. 1949 wurde die hölzerne Hafenbefestigung entdeckt. 1979 konnte das Wikingerschiff „Haithabu 1“ geborgen werden, ein Jahr zuvor hatte man die älteste Glocke Nordeuropas aus der Zeit um 950 gefunden.

Das sechs Kilometer entfernte Danewerk ist der größte Ziegelsteinbau Nordeuropas und das größte Zeugnis der Wikingerzeit überhaupt. Zwischen den Jahren 650 und 1200 wurden die 30 Kilometer langen Verteidigungswälle angelegt, um die Südgrenze des dänischen Reichs zu sichern. Die seinerzeit sieben Meter hohe Mauer ist auch für Laien als solche heute noch erkennbar.

Auch der Naumburger Dom in Sachsen-Anhalt ist zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt worden. Das Welterbekomitee stimmte der deutschen Bewerbung am Sonntag zu. Die Entscheidung fiel nach einer spannungsgeladenen Diskussion. Sie kam überraschend, weil der Weltdenkmalrat Icomos keinen außergewöhnlichen universellen Wert der im 13. Jahrhundert erbauten Stätte erkennen konnte und eine Ablehnung empfahl. Die Mehrheit der 21 Mitglieder des Welterbekomitees sprach sich jedoch für die Bewerbung aus. Es war das dritte Mal, dass sich der Naumburger Dom um einen Eintrag in die Welterbeliste beworben hatte.

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