Bremen Eigentlich läuft für Othello alles nach Plan: Den Krieg gegen die Türken hat er gewonnen, die schöne Desdemona gegen alle Einwände und Widerstände ihres Vaters erobert. Doch leider sorgt sein Erfolg auch für Missgunst. Der ehrgeizige Jago, der nach dem Sieg auf eine Beförderung gehofft hatte, sieht sich übergangen, stattdessen kommt Cassio in den Genuss des neuen Postens. Weswegen Jago mit allen Mitteln dafür sorgt, dass am Ende das Glück des Othello in Scherben liegt.

Als wäre das Theater eine Gerichtsbühne, lässt Klaus Schumacher, der am Bremer Theater unter anderem schon Hans Falladas „Kleiner Mann – was nun?“ und die „Buddenbrooks“ auf die Bühne brachte, die beiden Protagonisten im ersten Akt ihre Positionen vertreten. Woraufhin sich das eigentliche Drama in einer recht straffen Strichfassung und einem siebenköpfigen Ensemble entfaltet, wobei als Bühnenbild (Katrin Plötzky) eine Art drehbares Treibhaus fungiert, dessen halbtransparente Wände Schumacher immer wieder für Schattenspiele nutzt.

Indem Schumacher Othello und Cassio mit den beiden dunkelhäutigen Schauspielern Theo Fransz und Simon Zigah besetzt, betont er zwar den rassistischen Aspekt von Jagos Intrigen. Doch gerät ihm das im Folgenden deutlich weniger zwingend als die Dynamik von Jagos Intrigenspiel und Othellos Eifersucht. Hier liefert sich Fransz mit Guido Gallmann als Jago einen beeindruckenden Schlagabtausch, gegen dessen Wucht auch Annemaaike Bakker als Desdemona kaum anspielen kann.

Was die Freude an den schauspielerischen Leistungen im Shakespeare-Stück indes trübt, ist die zu gefällige Inszenierung, die ihr Anliegen, die Zusammenhänge von Eifersucht, Rassismus und Konkurrenz freizulegen, nicht einlösen kann. Zudem verliert der Abend nach der Pause an Tempo und Dringlichkeit. So fiel der Applaus im Theater am Goetheplatz eher wohlwollend als begeistert aus.


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