Frankfurt Am Main Wäre er nicht Filmstar geworden, hätte ihn eine Gangsterkarriere gereizt, soll Alain Delon einmal geäußert haben. Dem französischen Weltstar, der am 8. November 80 Jahre alt wird, sind auch im wirklichen Leben schon Kontakte zur Unterwelt nachgesagt worden. Die Kinozuschauer lieben ihn in der Rolle des Außenseiters, des in sich gekehrten Einzelgängers.

Diese Image brachte er im Klassiker „Der eiskalte Engel“ (1967) zur Perfektion. Kalt und verschlossen, mit verhaltener Melancholie spielt Delon diesen Jef Costello, einen Auftragskiller, der dem eigenen Ende so stoisch entgegensieht wie er selbst zuvor Andere tötete.

Delons Ruhm gründet sich auf seinen Rollen als Verbrecher und ihrem Gegenpart, dem „Flic“. Aber tatsächlich hat er sich in vielen Genres profiliert: in Komödien wie „Liebling, halt mal die Bombe“, Politdramen wie „Die Hölle von Algier“, Historienfilmen („Casanovas Heimfahrt“) und sogar im Western („Zwei tolle Kerle in Texas“).

1935 in Sceaux bei Paris geboren, erlebt er eine schwierige Kindheit zwischen Mutter, Stiefvätern und Pflegeeltern. Er kämpft im Indochina-Krieg, eckt als undiszipliniert an - wie schon in der Schule - und fliegt raus. „Ich komme aus einfachen Verhältnissen, niemand aus meiner Familie war beim Film. Ich war mit 18 beim Militär, in Indochina. Es kann durchaus sein, dass die Tragik ein Element meiner Persönlichkeit ist“, sagte er vor wenigen Jahren am Rande des Filmfestivals von Locarno.

Aber aus dieser Zeit nimmt Delon etwas mit, das Rollen wie Leben prägen sollte - die Erfahrung von Zusammengehörigkeit, Freundschaft, Freiheit und Abenteuer. Eine Freundschaft, wie sie in Robert Enricos „Die Abenteurer“ (1967) zwischen Delon und Lino Ventura inszeniert ist: Männerfreundschaft bis in den Tod.

Zum Film kommt er eher zufällig. Als er mit einem Freund, Jean-Claude Brialy, das Filmfestival in Cannes besucht, fällt er einem Talentscout ins Auge. Der will den attraktiven Mann mit der leicht raubtierhaften Ausstrahlung gleich nach Hollywood holen. Doch Delon lehnt ab. Er gibt sein Debüt 1957 stattdessen in dem kleinen französischen Film, „Killer lassen bitten“, in einer Nebenrolle als Auftragskiller.

Kurz darauf steht er in „Sei schön und halt den Mund“ erstmals mit dem fast gleichaltrigen Jean-Paul Belmondo vor der Kamera. Zwölf Jahre später sind sie - beide längst Stars - in „Borsalino“ wieder gemeinsam zu sehen. In René Clements „Nur die Sonne war Zeuge“ (1960) beeindruckt Delon als skrupelloser Mörder, der sich hinter glatter Fassade versteckt. Eine Variante dieser ambivalenten Figur zeigt er 1968 in „Der Swimmingpool“ mit Romy Schneider.

Wichtiger Förderer und zugleich Vaterfigur wird für Delon der italienische Regie-Altmeister Luchino Visconti. Er engagiert den Schauspieler für „Rocco und seine Brüder“ (1960), dem Drama einer Familie, die es von Süditalien nach Mailand verschlägt. 1963 erspielt Delon sich an der Seite von Burt Lancaster in Viscontis Sizilienepos „Der Leopard“ einen Golden Globe als bester Nachwuchsdarsteller.

Gespür für Delons schauspielerische Qualitäten bewies auch Jean-Pierre Melville, legendärer Schöpfer atmosphärischer Kriminalfilme wie „Der eiskalte Engel“. „Der Bursche wird eine fantastische Karriere machen“, sagte er schon früh über Alain Delon, und er sollte recht behalten. In Melvilles letztem Werk „Der Chef“ beeindruckt Delon als zwielichtiger Kommissar, der sich im kriminellen Milieu und in eine Liebesaffäre verstrickt.

Alain Delons Privatleben, seine Liebesbeziehungen und Affären wie auch seine rechtsgerichteten politischen Ansichten waren von jeher beliebtes Thema für die Presse. So zeigt der Schauspieler Sympathien für den rechtsextremen französischen Politiker Jean-Marie Le Pen, langjähriger Vorsitzender der Partei „Front National“.

Die Liaison mit Romy Schneider, mit der er vier Jahre lang von 1959 bis 1963 verlobt war, wurde von Boulevardreportern begierig begleitet. „Wenn man mich fragte, wen ich am meisten vermisse von all den Menschen, mit denen ich gearbeitet habe, dann ist das Romy Schneider“, zitierte ihn die „Wiener Zeitung“ vor wenigen Jahren.

Aber er heiratete nicht sie, sondern 1964 das Fotomodell Natalie Barthélémy, Sohn Anthony kam zur Welt. Nach dem gewaltsamen Tod von Natalies Leibwächter Stephan Marcovic 1968 wurden Delon Beziehungen zu Gangstern nachgesagt, aber nicht bewiesen. Aus der späteren Beziehung mit der Niederländerin Rosalie van Breemen stammen seine Kinder Anouchka und Alain-Fabien. Heute lebt der Schauspieler auf einem französischen Landgut.

In gut 90 Filmen hat Alain Delon mitgespielt, sich auch mal als Regisseur und Produzent betätigt. Er hat nichts Raubtierhaftes mehr an sich, doch blitzt manchmal etwas von der alten Aura auf. Etwa in dem TV-Mehrteiler „Frank Riva“ (2003) mit Delon als Einzelkämpfer, der sich mit der Mafia wie mit der Polizei anlegt. Und 2008 brachte er als selbstverliebter Julius Cäsar in „Asterix bei den Olympischen Spielen“ das Publikum sogar zum Lachen.

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