OLDENBURG Das einstige Enfant terrible lebt heute zurückgezogen auf Ibiza. Im Oldenburger PFL las der 67-Jährige aus seinem Kriminalroman „Brennende Schuld“.

Von Regina Jerichow OLDENBURG - Doch, doch, er ist sympathisch. Das war einst schon Romy Schneider aufgefallen. Zwar huscht noch immer ein gefährlicher Charles-Bronson-Ausdruck über sein vernarbtes Gesicht, aber unter seinen nunmehr weißen Haaren wirkt er inzwischen milder. Burkhard Driest, Schauspieler, Drehbuchautor und Schriftsteller, der mit einem Bankraub berühmt wurde und für sein Brutalo-Image berüchtigt war, ist mit 67 Jahren sanft geworden – wenn auch nicht ohne Selbstironie.

Für eine Lesung in der NWZ-Reihe „Begegnungen“ war Driest, der heute auf Ibiza lebt und arbeitet, nach Oldenburg ins Kulturzentrum PFL gekommen. Dr. Reinhard Tschapke, NWZ-Ressortleiter für Kultur, hob in seiner Einführung besonders Driests Debütroman hervor. Das Buch „Die Verrohung des Franz Blum“, das er nach seinem Gefängnisaufenthalt schrieb – er hatte kurz vor seinem Jura-Examen eine Sparkasse überfallen –, habe sich „auf Anhieb als große Literatur“ erwiesen. Nun warte man gespannt auf seine Autobiografie.

In der müsse er von Hollywood, von Regisseuren wie Rainer Werner Fassbinder und vor allem im Detail erzählen, was 1974 nach jener legendären Talk-Show zwischen ihm und Romy Schneider vorgefallen sei. Als ihm Tschapke die Frage später direkt stellt, weicht der zügellose Wilde von einst aber geschickt auf Nebenschauplätze aus. Nur eines verrät er – dass er schon immer ein Herz für offene Menschen hatte, die ohne Bedingungen und Sicherungen leben. So ein Mensch wie er selbst und wie Romy Schneider einer war. Da darf man nun weiterrätseln.

Dafür erzählt Driest freimütig, weshalb es ihn auf Ibiza – er spricht es mit scharfem, spanischem „s“ aus – verschlagen hat. Nostradamus habe prophezeit, dass die Insel den Untergang der Welt überdauern würde. „Da ich lebensgierig war, musste ich dorthin“, sagt er, schaut wieder wie Charles Bronson und beginnt, „Impressionen“ aus seinem Krimi „Brennende Schuld“ zu lesen, der dritte, in dem sein Kommissar Toni Costa auf Ibiza ermittelt.

Dramaturgisch geschickt hat er sich dazu die aufregendsten Stellen ausgesucht – vom ersten Leichenfund am Strand über eine geheimnisvolle Höhle unter der Nekropolis, der antiken Totenstadt Ibizas, die heute zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, wie Driest mit dem Stolz eines Einheimischen berichtet, bis zum Flammenmeer, aus dem er seinen Kommissar in letzter Minute rettet. Spannend wie im Kino.

Nicht weniger spannend ist das anschließende Gespräch vor Publikum, in dem der alleinerziehende Vater offen mit Tschapke über seine beiden Kinder und Erziehungsmethoden plaudert, zwischendrin vom Stuhl aufspringend, um den einen oder anderen Streit vorzuspielen. So hat er etwa seiner 17-jährigen Tochter, die Teenager-Romane schreibt, das Make-up abgenommen: Die müsse erst einmal „bestimmte Dinge“ lernen und ihr Abitur machen. Und auch vor der Sucht nach Bewunderung durch andere versucht er sie zu bewahren, aus Erfahrung wissend, dass sie „nichts bringen wird“.

Heute schreibt er „sieben Tage in der Woche“, genießt die Natur vor seinem Haus auf Ibiza, in der Hoffnung, „noch gelassener zu werden und immer mehr loslassen zu können“. Und dann ist er für einen Moment wie weggewischt, dieser Charles-Bronson-Blick.

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