OLDENBURG Der erste Eindruck täuscht. Als der immerhin schon 71-jährige Daevid Allen die Bühne betritt, wirkt er zunächst müde. Mit blauem Spitzhut und Umhang, halblangen weißen Haaren und Spitzbart erinnert er an eine besonders milde gestimmte Version des Ost-Sandmännchens. Nach wenigen Minuten ändert sich dies aber schlagartig.

Die Energie des zahlreich erschienenen, begeisterten Publikums scheint wie ein Blitz in ihn zu schießen. Plötzlich ist er hellwach und entwickelt eine erstaunlich klare, kraftvolle Stimme. Er tanzt wild wie Iggy Pop über die Bühne und hat sichtlich Spaß am psychedelischen Zusammenspiel mit seiner Band Gong. Diese feiert gerade ihr 40-jähriges Bestehen.

Neben drei Gastmusikern tritt in Oldenburgs Kulturetage eine Besetzung auf, die es so seit den 70er Jahren nicht mehr gegeben hat. Zum Band-Gründer Allen haben sich Gitarrist Steve Hillage, Synthesizer-Spielerin Miquette Giraudy und Gilli Smyth wieder dazugesellt.

Mit in hoher Tonlage gestöhnten „Ahs“ und „Uhs“ steigt Smyth ins Konzert ein. Befürchtungen, dass sie den Nerv-Faktor einer Yoko Ono aus den End-60ern trifft, bewahrheiten sich aber nicht. Die in der Besetzung als „Space-Whisper“ aufgeführte Smyth schlüpft etwa in die Rolle einer erzählenden Hexe, die über Raum und Zeit steht. Das hat etwas sehr Charmantes. Die 76-Jährige gibt so auf ihre Art die Grande Dame, die zur Seele der Gruppe Gong einfach dazugehört.

Eingeläutet wurde das Konzert durch die Steve Hillage Band. In abgespeckter Gong-Version erzeugt Hillage mit Giraudy einen gitarrenbetonten Mix aus Sphärenklängen und elektronischer Ambient-Musik. Einen Wermutstropfen gibt es dennoch: Einer grandiosen Band steht ein übersteuerter Sound gegenüber. Das kann die Kulturetage eigentlich besser.

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