Oldenburg Es war ein ebenso anrührendes wie zärtliches Bild: Nach dem Auftritt seiner Jazz-Rock-Band Colosseum im Juni 2011 in der Oldenburger Kulturetage trug Schlagzeuger Jon Hiseman seine an Parkinson leidende Ehefrau und Saxofonistin Barbara Thompson zum Hotel. Die tückische Nervenkrankheit setzt der Musikerin seit 1996 zu, in dieser Nacht aber war an Gehen oder Stehen gar nicht mehr zu denken – und niemand, der die beiden auf der Straße sah, glaubte, dass die Band jemals wieder mit Barbara Thompson würde auftreten können.

Wo es Karten gibt

Colosseum befindet sich seit Oktober auf Europatournee. Am 16. Februar 2015 tritt die Jazz-Rock-Formation ab 20 Uhr in der Oldenburger Kulturetage auf. Karten unter: Telefon 0441/92 48 00.

Info: www.kulturetage.de

Falsch geglaubt. Die Engländerin entdeckte für sich ein neuartiges Medikament, das die Symptome der Schüttellähmung deutlich linderte, das Saxofon lag wieder gut in der Hand. Folge: Colosseum, dieses vielleicht beste Quintett im Jazz-Rock-Bereich, geht sogar das Wagnis einer Tournee ein. Am 16. Februar 2015 macht sie erneut Station in der Kulturetage – mit Thompson und Hiseman, mit Ausnahmesänger Chris Farlowe, Organist Dave Greenslade, Gitarrist Clem Clempson und Bassist Mark Clarke.

Der Gesundheitszustand in der Gruppe mag momentan gut sein – dennoch wird es wohl das letzte Mal sein, dass Colosseum die Konzertbühnen betritt. Und auch wenn die Tournee „Return of a Legend“ (Rückkehr einer Legende) betitelt ist, so war selbst von Jon Hiseman bereits das Wort „Farewell Tour“ zu lesen. Wobei das mit dem „Auf Wiedersehen“ so eine Sache ist: „Time On Our Side“ (Die Zeit spricht für uns) heißt die aktuelle CD trotzig.

Colosseum sind eben eine Band mit Nehmerqualitäten, die diverse Rückschläge und Streitereien verkraftete. 1969 von Hiseman, Saxofonist Dick Heckstall-Smith (gestorben 2004) und Bassist Tony Reeves gegründet, wurden die Jazzrock-Pioniere trotz komplexer Songstrukturen schnell eine große Nummer in der Musikszene. Alben wie „Daughter Of Time“ oder die einzigartige „Valentyne Suite“ begründeten den Ruf von Colosseum, die bis auf Thompson (Nachfolgerin des 2004 gestorbenen Heckstall-Smith) seit 1970 in unveränderter Besetzung auftreten. Selbst eine 20-jährige Schaffenspause schadete nicht, der Erfolg blieb den Engländern treu.

Die 1970er mögen die kreativsten Jahre von Colosseum gewesen sein, aber die Phase seit 1994 ist sicher ihre eindrucksvollste. Neue Alben, viele Tourneen und Fernsehauftritte machten Colosseum zu Dauer-Lieblingen der Fans von bluesigem Jazzrock. Jon Hiseman bilanziert diese Jahre bescheiden so: „Die Reaktionen auf unsere Musik waren gut. Fast schon beschämend gut.“ Am 16. Februar wird die Reaktion – man muss da kein Prophet sein – in der Kulturetage genauso sein.

Klaus Fricke
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