BREMEN Ganz schön schwül im Bremer Schauspielhaus: heißer Dampf liegt in der Luft, riesige Pfützen glänzen im Halbdunklen. Und die Seelen der Menschen, die in diesem tropischen Klima leben müssen, sind Schwarz wie die Nacht.

Tod des Bruders

Ein durchaus spannender Theaterabend ist dem Bremer Ensemble mit der Aufführung von „Kampf des Negers und der Hunde“ gelungen. Das Stück des französischen Dramatikers Bernard-Marie Koltès (1948–1989) wurde von Corinna Sommerhäuser als interkulturelles Nachtspiel neu inszeniert – und sie traf damit recht gut jene geheimnisvoll knisternde Atmosphäre, welche Koltès 1981 in das Theaterstück eingeschrieben hat.

Alles Helle ist aus dieser Welt verbannt. Nacht liegt über einer afrikanischen Baustelle, wo sich vier Personen ineinander verhaken: ein schwarzer Arbeiter (Timo Lampka) fordert Aufklärung über den Tod seines Bruders. Dieser wurde vom weißen Projektleiter erschossen. Eine Bagatelle in den Augen des raubeinigen Aufsehers, der hier, gespielt von Martin Baum, seinen animalischen Gewalttrieb nur mühsam mit den Masken einer zivilisierten Welt in Einklang bringen kann. Vor allem der Whisky soll ihm dabei immer wieder helfen.

Und auch der Teamleiter selbst (gespielt von Siegfried W. Maschek) schwankt zwischen Vernunft und Verbrechen: viel lieber beschäftigt er sich mit seiner neuen Liebschaft (Eva Gosciejewicz) als mit dem im Grunde lästigen Mordfall.

Wenn man den Schwarzen mit Geld nicht bestechen kann, dann müsse er eben ebenfalls beseitigt werden. Man ist da nicht zimperlich. Und das Kleid der hübschen Frau wirkt zunehmend wie ein rotes Tuch für alle hier Versammelten.

Stück muss noch reifen

Insgesamt bringt der dramatische Abend im Bremer Schauspielhaus eine gelungene Gesamtanmutung hervor. Allerdings wäre an einzelnen Stellen durch die Regisseurin Corinna Sommerhäuser eine etwas präzisere Ausarbeitung der Situationen denkbar gewesen. In den Subtexten liegt so noch manches verborgen. Aber der Abend kann in den anstehenden Repertoire-Vorstellungen gewiss noch weiter reifen.

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