OLDENBURG Die Theatermaschinerie läuft auf Hochtouren. Ein Teil der Bühne im Großen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters ist einige Meter ausgefahren. Bilder einer Landschaft rauschen im Eiltempo vorbei. Der Wind fährt dem riesigen, weißen Glücksdrachen Fuchur ins schimmernde Fell und bläst seinem Reiter Atreju um die Ohren. Sie fliegen! Und die Zuschauer erleben „Die unendliche Geschichte“ als fantastische Inszenierung des jungen Regisseurs Ekat Cordes.

Der Zauber währt nur einen kurzen Moment, dann wird flott weitererzählt. Der Bühnenboden gerät in Bewegung, Blitze zucken im Lichtspektakel, Nebel steigt auf, und Stimmen hallen elektronisch verzerrt – und dadurch leider nicht immer verständlich – nach.

Am Projektionshimmel (Video: Konstantin Bock) flimmern jetzt die Fratzen der vier Windriesen und verkünden, was dem Publikum zu diesem Zeitpunkt unheilvoll schwant: „Phantásien, das Reich der Fantasie, ist grenzenlos.“

Kindliche Kaiserin

Michael Ende hat mit seinem Roman 1979 eine märchenhafte Vorlage geliefert. Sie handelt von dem Jungen Bastian, der seine Mutter verloren hat und von seinen Mitschülern schikaniert wird. Bastian liest sich in die Welt der Fantasie. Hier, in Phantásien, greift das zerstörende Nichts um sich.

Die kindliche Kaiserin ist todkrank und schickt den heldenhaften Jungen Atreju aus, ein Menschenkind zu suchen – Bastian.

Die Verfilmung 1984 war dem Autor zu kitschig. Und auch die Inszenierung im Oldenburgischen Staatstheater dürfte ihm zu schrill sein. Oder anders ausgedrückt: Es ist unendlich schwer, diese Geschichte mit ihren unglaublichen Ortswechseln, skurrilen Kreaturen und traumhaften Momenten auf einer Bühne zu erzählen. So gesehen ist das Weihnachtsmärchen in der Bühnenfassung von Matthias Grön ganz fabelhaft.

Fünf Schauspieler sowie acht Kleindarsteller und Puppenspieler stemmen den theatralen Kraftakt. Im Mittelpunkt steht Henner Momann als grünhäutiger Krieger Atreju. Die vielen kleinen Zuschauer im Publikum leiden mit ihm, als sein treuer Knappe Artax im Tal der Traurigkeit qualvoll versinkt. Sie zittern mit ihm vor dem unheimlichen Werwolf Gmork und sie fliegen mit ihm auf Fuchur ihren Ängsten davon. René Oley spielt überzeugend einen heutigen Schuljungen Bastian. René Schack, Hartmut Schories und Sarah Bauerett schlüpfen in unzählig viele Rollen, sind oft nur als Stimmen zu hören oder unter futuristischen Kostümen komplett verborgen.

Acht Meter lang

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Die Werkstätten des Theaters haben großartige Arbeit geleistet, gigantische Bühnenbilder entworfen und über ein Dutzend Puppen gebaut. Allen voran Fuchur, acht Meter lang, schillernd und fantastisch. Vier schwarz gekleidete Puppenspieler hauchen den wunderlichen Wesen viel Leben ein, was bei Fuchur wunderbar gelingt, bei kleinen Figuren manchmal aber auch irritiert. Bühne (Anike Sedello) und Kostüme (Dinah Ehm) sind unbeschreiblich aufwendig.

Unendlich viel gäbe es noch über die Premiere dieser Geschichte zu schreiben. Besser, man taucht selbst ein in das Reich der Fantasie.

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