BERLIN Roman Polanskis Thriller „Der Ghostwriter“ ist mit sechs Trophäen der große Sieger beim Europäischen Filmpreis. Er gewann am Sonnabend in der estnischen Hauptstadt Tallinn (Reval) in den Sparten bester Film, Regie, Filmmusik, Drehbuch und Ausstattung.

Der Hauptdarsteller, der Brite Ewan McGregor, wurde als bester Schauspieler geehrt. Bei den Schauspielerinnen setzte sich die Französin Sylvie Testud („Lourdes“) durch – unter anderem gegen Sibel Kekilli („Die Fremde“). Bestes Erstlingswerk wurde „Lebanon“ von Samuel Maoz.

Der in Deutschland gedrehte „Ghostwriter“ nach dem Bestseller von Robert Harris wird aus der Sicht des Memoirenschreibers eines Politikers erzählt, der an Tony Blair erinnert. Bei der Berlinale hatte Polanski dafür den Regie-Bären bekommen. Der Filmemacher, dem in den USA ein Prozess wegen eines alten Sexualdeliktes droht, war bei der Verleihung nicht dabei. Er dankte über eine Web-Kamera aus Paris. „Das ist zu viel“, sagte Polanski (77), als er den Regie-Preis erhielt.

Bruno Ganz geehrt

Der Hamburger Regisseur Fatih Akin, der mit seiner Komödie „Soul Kitchen“ im Rennen um den besten Film war, ging diesmal leer aus, ebenso die Österreicherin Feo Aladag („Die Fremde“), die als europäische Entdeckung nominiert war. Einen deutschen Preisträger gab es mit dem „Ghostwriter“-Szenenbildner Albrecht Konrad.

Der 69 Jahre alte Schauspieler Bruno Ganz („Der Untergang“, „Der Himmel über Berlin“) wurde von Wim Wenders, dem Präsidenten der Europäischen Filmakademie, für sein Lebenswerk geehrt.

Zu Beginn der Verleihung gab Wenders den Ort für die 25. Ausgabe des Preises bekannt: 2012 wird Valletta, Hauptstadt von Malta, Gastgeber sein. Die Auszeichnung zur Förderung der europäischen Filmkultur wurde 1988 ins Leben gerufen. Sie wird abwechselnd in Berlin und einer anderen Metropole ausgerichtet. Durch den Abend führten Comedystar Anke Engelke und ihr estnischer Kollege Märt Avandi. Tallinn ist 2011 europäische Kulturhauptstadt.

In Potsdam gedreht

Bei Studio Babelsberg in Potsdam war die Freude über die sechsfache Auszeichnung des Polit-Thrillers „Ghostwriter“ groß. Vorstand Carl Woeb­cken gratulierte Polanski, dessen Film von Studio Babelsberg produziert wurde. Woebcken würdigte Motivauswahl und Ausstattung von „Ghostwriter“ als eine „tolle Leistung“. Er ergänzte: „Wir haben international viel Anerkennung erhalten, da der Film in den USA und in England spielt, die Dreharbeiten aber komplett in Deutschland wie auf Sylt und Usedom sowie in den Babelsberger Studios stattfanden.“

Studio Babelsberg hatte zum zweiten Mal mit Polanski zusammengearbeitet. 2001 produzierte Babelsberg den Oscar-gekrönten Film „Der Pianist“.

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