HAMBURG Mehr als 46 000 Anhänger kamen am vergangenen Freitag in die Hamburger AOL-Arena, um den deutschen Tourauftakt der britischen Poplegende Genesis zu sehen. Die Band trat erstmals seit 15 Jahren wieder in ihrer kommerziell erfolgreichsten Trio-Besetzung auf, also mit dem allgegenwärtigen Sänger und Schlagzeuger Phil Collins, mit Bassist Mike Rutherford und Keyboarder Tony Banks.

Dass ihr legendärer Frontmann Peter Gabriel ebenso fehlte wie Originalgitarrist Steve Hacket ertrugen die Fans eher mit Fassung. Auch wenn dies bedeutete: kein „Lamb Lies Down On Broadway“ in Komplettfassung, kaum Material von innovativen Werken wie „Foxtrott“ oder „Selling England By The Pound“.

Dafür gab es vor allem jüngere Klassiker soweit der Horizont reicht, von „No Son Of Mine“, „Home By The Sea“ und „Land Of Confusion“ über „Follow You, Follow Me“ und „Mama“ bis hin zu „Invisible Touch“ und „I Can’t Dance“.

Das alles lief ab von einer futuristischen Show-Bühne, wurde dargeboten in beeindruckendem XXL-Hifi-Sound, der perfekter hätte kaum sein können.

Kritiker mögen die vielleicht fehlenden Ecken und Kanten monieren, jene künstlerische Widerhaken also, die Konzerte von Tonträgern unterscheidet. Aber dann hätte man auch nicht zu der Gruppe Genesis gehen dürfen, bei der ausgewiesene Klangdesigner schon immer für glattpolierte Klänge sorgten.

In Hamburg jedenfalls wackelte nichts, am allerwenigsten die Musik. Nur Phil Collins schaukelte ungelenk, als er eine Tanzeinlage hinlegte. Ein etwas skurriles Schauspiel.

Jeder bekam letztlich geboten, was er gewünscht hatte, sogar der Norddeutsche Rundfunk, der den ganzen Abend über vom Genesis-Konzert berichtete. Vorbei schienen plötzlich die Zeiten, als nervige Moderatoren („Das beste von heute und alle Hits der 80er und 90er“) schon nach knapp zwei Minuten in jede Popnummer quasselten und hektisch den nächsten Mega-Erfolg einer ganz anderen Gruppe ankündigten, um am Ende ja keine Langeweile aufkommen zu lassen. Empirische Untersuchungen hatten nachgewiesen, dass bei längeren Stücken das Publikum wegzappt.

Auch Dank der Band Genesis gab es am Freitagabend ein ordentliches Kontrastprogramm, das im Stadion wie im Radio funktionierte. Denn mit den Superstars lassen sich im Grunde mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Hit an Hit, lange Stücke und ein themenbezogener Abend.

Der endete im Hamburger Stadion um kurz nach 23 Uhr, auf NDR II sogar erst um zwei Uhr morgens, nach über sieben Stunden. Strapazierte Phil Collins Stimme etwa die Geduld vieler Zuhörer übermäßig?

Man wird sehen. Am kommenden Sonnabend in Hannover steigt bereits die nächste Show mit der britischen Pop-legende.

Infos über die Band unter:

www.genesis-music.de

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