Oldenburg Was wäre wenn? Für einen Autor mit sprudelnder Fantasie wie Paul Maar bilden diese drei Worte oft die Ausgangsfrage für eine neue Geschichte. Das „Sams“ ist so entstanden, aber auch „Der tätowierte Hund“ oder „Die Kuh Gloria“. An diesem Sonnabend gastiert Maar nun in Oldenburg, wo er die 40. Kinder- und Jugendbuchmesse (Kibum) mit eröffnet.

Sein tierisches Repertoire wird dann um „Das fliegende Kamel“ erweitert – auch so eine Was-wäre-wenn-Geschichte. Was wäre, fragt sich der 76-Jährige, wenn Nasreddin Hodscha hier und heute leben würde, ein Auto und ein Telefon besäße?

Würde er dann auch so naseweis seine Ratschläge an die Menschheit weitergeben? Hodscha gilt als berühmtester Narr, Philosoph und Geschichtenerzähler der islamischen Welt. Der Sage nach soll er im 14. Jahrhundert in Anatolien gelebt haben – ein dicklicher Kerl, der verkehrt herum auf seinem Esel ritt.

Fliegende Kamele

Wie es sich für eine Sage gehört, wurde sie immer nur mündlich weitergegeben, verändert und auch fortgesponnen. Das kann ich auch, dachte sich Maar und erzählte die Schelmengeschichten auf seine ganz eigene Art nach. Aber der Autor hielt sie zudem schriftlich fest, im „Fliegenden Kamel“.

Gemeinsam mit dem Ensemble „Capella Antiqua Bambergensis“ entwickelte er die Bühnenfassung für eine deutsch-türkische Lesung, die an diesem Sonnabend ab 15 Uhr im Oldenburger PFL zu sehen ist. Damit füllt gleich die Auftaktveranstaltung das diesjährige Motto – „Merhaba – Kibum trifft Türkei“ – mit Leben.

Auf historischen Instrumenten wie der türkischen Laute, Schalmeien und Sackpfeifen begleiten die Musiker die Texte. Mit den typischen Klängen zaubern sie orientalische Atmosphäre in den Saal des Kulturzentrums PFL. Eine „turbulente und spannende Begegnung“ der Kulturen versprechen die Kibum-Macher.

Das soll für die gesamten zehn Tage gelten, denn in zahlreichen zweisprachigen Lesungen suchen deutsche und türkische Autoren mit den Kindern und Jugendlichen das Gespräch. „Diese persönlichen Begegnungen machen den Reiz der Messe aus“, meint Projektleiterin Paula von Sydow. Eine Kinderjury bewertet zudem in diesem Jahr erstmals eine Auswahl von Büchern. Favorit der kleinen Literaturkritiker ist „Sinan und Felix“ von Aygen-Sibel Celik, die auch auf der Kibum liest.

Gut erzählt

Maar begeisterte das Publikum übrigens schon bei seinem Auftritt vor drei Jahren, als es um das Genre der „fantastischen Literatur“ ging. „Er ist ein Vollprofi, wir freuen uns alle auf ihn“, sagt von Sydow. Im Gespräch erzählte der Sams-Autor damals davon, wie sein Großvater ihn als Kind mit seinen Geschichten begeisterte. „Hauptsache sie sind gut erzählt“, gab er dem Enkel mit auf den Weg. Der hielt sich daran.

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