BREMEN Zwei sehr unterschiedliche Werke wurden hier zu einem sehr gelungenen Opernabend gekoppelt. „Herzog Blaubarts Burg” von Béla Bartók ist ein Klassiker des frühen 20. Jahrhunderts. „Blaubart” von Franz Hummel wurde 1984 in Frankfurt uraufgeführt. Für die Premiere im Bremer Theater am Goe­theplatz hat der Komponist seine Oper (ursprünglich für ein Streichquintett geschrieben) überarbeitet und zu einer Fassung für Streichorchester erweitert.

Szenische Abstraktion

Regisseurin Rosamund Gilmore hat vor allem die Bartók-Oper zu einem beklemmend dichten, ästhetisch ausgestalteten Theaterereignis geformt. Carl Friedrich Oberle schuf dafür einen dunklen Bühnenraum, bei dem die sieben Türen (Metaphern für Blaubarts Seelengeheimnisse) symbolhaft vom Schnürboden herabhängen. Bartóks Musik ist stark genug, um eine solche szenische Abstraktion zu verkraften. Gilmore führt die Personen mit psychologisch motivierten Bewegungsabläufen. Der „Kampf“ der beiden um Blaubarts Geheimnisse wird sinnfällig verdeutlicht. Am Ende greift Blaubart zum Messer, und Judith wird bei drei ehemaligen Frauen unter der 7. Tür begraben.

Mit Nadja Stefanoff und George Stevens stand eine ideale Besetzung zur Verfügung: Stefanoffs kühler Mezzo mit verhalten lodernder Leidenschaft und Stevens’ bronzefarbener, kraftvoller Bariton ergänzten sich perfekt. Markus Poschner und die Bremer Philharmoniker tauchten Bartóks Musik in düstere Farben, musizierten sehr differenziert und steigerten die großen Ausbrüche zu überrumpelnder Klangentfaltung.

Der „Blaubart“ von Hummel (mit seinem etwas verwirrenden Libretto von Susan Oswell nach Texten von Sigmund Freud und Georg Trakl) zeigt eine Therapiesitzung bei Sigmund Freud. Eine riesige Couch beherrscht die Bühne. Blaubart ist nur eine Metapher für die Ängste der Patientin Dora. Die verstorbenen Geister ihrer Vergangenheit sitzen schwarz gekleidet ebenfalls in der Praxis. Freud sieht seine Patientin allerdings nur als Versuchsobjekt. Er ist Doras „Blaubart“, der sie zu vernichten droht. Am Ende kann Dora sich aber eigenständig von ihren Ängsten lösen und verlässt zu den Klängen eines verfremdeten Bach-Chorals befreit die Praxis.

Verwirrte Gedankenwelt

Gilmore baut hier eher das Szenario eines Irrenhauses auf und lässt oft mit zuckenden Bewegungen agieren. Das wird von der Musik gedeckt, die einen choreografischen Ansatz impliziert – eine Musik, die mit flirrenden Klängen verwirrte Gedankenwelten widerspiegelt. Poschner und das Orchester bewältigten die Aufgabe virtuos.

Neben Loren Lang als Freud glänzte vor allem Steffi Lehmann als Dora, die ihre halsbrecherische, mit „mörderischen“ Intervallsprüngen gespickte Partie mit artistischer Brillanz gestaltete.

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