Oldenburger Land Sonntagabend ist Tatort-Zeit, und das seit fünf Jahrzehnten: 2020 feiert die beliebte ARD-Krimi-Reihe 50. Geburtstag, bereits am 1. Januar gibt es zum Jubiläum eine außergewöhnlich Folge: Es ermitteln Beamte aus verschiedenen Städten, und die Schauspieler haben improvisiert – denn ein festes Drehbuch gab es nicht. Der „Tatort“ ist in der deutschen Fernsehlandschaft eine Institution. Für viele gehört er zum Wochenabschluss wie das Salz in die Suppe. Oder wie Kluntje und Wulkje in den Ostfriesentee. Oder wie Grünkohl ins Oldenburger Land. Auch im Nordwesten hat der Sonntagabend-Krimi seine Spuren hinterlassen.

Drehorte

Mehrfach wurden „Tatort“-Folgen – zumindest zum Teil – im Oldenburger Land gedreht. Besonders häufig verschlug aus die TV-Ermittler in die Wesermarsch: Bei dem Bremer Tatort „Stille Tage“ (Erstausstrahlung: 2006) spielten Schafe des Züchters Dieter Voigt aus Berne eine kleine, wenngleich nicht unwichtige Rolle: Als Herde hielten sie Kommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) bei der Verfolgung eines Mörders auf. Nach diesem Dreh in Huntebrück kehrte der Bremer Tatort gut zehn Jahre später in die Wesermarsch zurück: Für „Echolot“ (2016) wurden mehrere Szenen auf der Weserinsel Harriersand – mit den Braker Getreidesilos im Hintergrund – gedreht.

Und noch einmal besuchte das Bremer Ermittlerduo das Oldenburger Land: Für „Schiffe Versenken“ (2009) drehte das Team um Sabine Postel und Oliver Mommsen (als Hauptkommissar Nils Stedefreund) mehrere Tage in Hooksiel im Wangerland. Ein weiteres Mal wird das Ermittler-Duo die Region jedoch nicht besuchen: Mit dem Serientod von Nils Stedefreund hörte das Team im April 2019 nach rund 20 Jahren auf.

In der Wesermarsch ermittelte auch Maria Furtwängler als LKA-Fahnderin Charlotte Lindholm. Für „Vergessene Erinnerung“ wurde 2009 drei Tage lang in der mittlerweile geschlossenen Gaststätte Jabben in Südbollenhagen (Gemeinde Jade) – im Film der fiktive Ort Volsum – gedreht. Drehorte waren auch in Varel, Bockhorn, Oldenburg und im Ammerland. Dort tauchten Filmteams unter anderem auf dem Jaspers-Hof in Westerstede und im ehemaligen Bundeswehrkrankenhaus Rostrup auf. Eine (Fernseh-)Leiche wurde damals auf dem Gelände der Bad Zwischenahner Kurbetriebsgesellschaft gefunden.

Bereits ihren ersten Fall hatte Charlotte Lindholm im Oldenburger Land gelöst: Für ihr Tatort-Debüt „Lastrumer Mischung“ (2002) versetzte das Team um Maria Furtwängler damals die Ortschaft Elsten in der Gemeinde Cappeln (Landkreis Cloppenburg) in helle Aufregung. Gedreht wurde zwei Tage lang in der urigen Gastwirtschaft von Marcel Beckmann.

Zwei Einsätze in der Region hatte das Ermittlerteam Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller): Für den Fall „Die Feigheit des Löwen“ (2014) wurden einige Szenen in Oldenburg gedreht, unter anderem auf dem ehemaligen Fliegerhorst und vor dem ehemaligen Landtagsgebäude und Staatsministerium. In „Kaltstart“ (2014) ermittelte das Team am JadeWeserPort in Wilhelmshaven.

„Tatorte“ in der Region: Die Grafik zeigt eine Auswahl von Norderney bis ins Oldenburger Münsterland.

Im Oktober 2020 ist Hauptkommissar Falke erneut in einem Nordwest-Tatort zu sehen: In „Tödliche Flut“ kommt es zum Showdown im Watt – bei steigendem Wasser. Gedreht wurde unter anderem auf der Insel Norderney.

Einen eigenen Tatort gab es vor vielen Jahren für Bremerhaven. Kommissar Nikolaus Schnoor (Uwe Dallmeier) ermittelte allerdings nur ein einziges Mal. „Watt Recht is, mutt Recht bleiben“ (1982) war ein echt norddeutsch: Es wurde insgesamt wenig gesprochen, und für das Gesprochene gab es Untertitel für Tatort-Fans in Süddeutschland, da einige Protagonisten Platt schnackten.

Komparsen

Auch Menschen aus dem Oldenburger Land waren sonntagabends schon im „Tatort“ zu sehen, etwa Ilona Tetzlaff aus Nordenham: Sie hatte für die Tatort-Folge „Das namenlose Mädchen“ (2007) eine Komparsenrolle gewonnen. Ein wenig enttäuscht war sie damals über die geringe Ausbeute der sechsstündigen Dreharbeiten bei sengender Hitze: Tetzlaff war nur etwa zwei Sekunden im Lindholm-Tatort zu sehen, Spaß gemacht habe es aber trotzdem.

Bereits dreimal hat es der Wildeshauser Sven Morscheck in den Tatort geschafft: Das erste Mal spielte er 2012 im Bremer Tatort „Puppenspieler“ einen Restaurantgast. Bei seinem zweiten Auftritt trat er in der Kölner Tatortfolge „Der Fall Reinhardt“ (2013) als Krankenpfleger auf. Für „Kaltstart“ spielte er 2014 in einer Nebenrolle einen verdeckten Ermittler. Die Atmosphäre am Set beschrieb der Tatort-Fan „wie Kindergeburtstag, Weihnachten und Ostern zusammen“.

Auch Achim Grosch aus Munderloh (Gemeinde Hatten) hatte bereits seinen Tatort-Auftritt. Zwei Tage lang war er am Dreh für „Kollateralschaden“ (2018) beteiligt. Er durfte als Wohnmobilfahrer einen Zeugen spielen.

Sechs echte Oldenburger Polizisten wurden beim Dreh für „Die Feigheit des Löwen“ als Komparsen eingesetzt. Und auch ehemalige Schülerinnen und Schüler des Wirtschaftsgymnasiums Friesoythe haben die Spannung am Tatort-Set schon einmal erlebt: 2004 hatten 15 Schülerinnen und Schüler einen Ideenwettbewerb für das neue Logo des Landeskriminalamtes Niedersachsen gewonnen. Zur Belohnung durften sie als Komparsen ans Set des Lindholm-Tatorts „Märchenwald“.

Premieren

Beim Filmfest Oldenburg werden regelmäßig brandneue Tatort-Folgen gezeigt. Für Festivalleiter Torsten Neumann ist das naheliegend: Deutsche TV-Filme habe man beim Filmfest immer schon im Programm gehabt. „Tatort ist ja eines der wirklich guten TV-Formate, wo immer wieder auch besondere Filmemacher Projekte umsetzen, die oftmals aus dem Durchschnitt deutscher TV-Produktionen herausragen“, sagt Neumann. Einige Filme aus der Tatort-Reihe haben beim Filmfest Oldenburg schon Premiere gefeiert, oftmals in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Oldenburg. Auch 2019 wurde dort ein Tatort gezeigt: „Angriff auf Wache 08“ mit dem Wiesbadener Kommissar Felix Murot (Ulrich Tukur). Dass die Tatort-Filme oft in der JVA gezeigt werden, sei kein Zufall, „sondern naheliegendes Programmieren“, sagt Neumann: „Für die Insassen bringt es sehr viel mehr von der Filmfestatmosphäre mit, wenn Gäste zu den Filmen in den Knast kommen, die man auch aus dem deutschen Fernsehen kennt.“

Nathalie Meng Redakteurin / Online-Redaktion
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