Oldenburg Das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte besitzt einen beachtlichen Waffen- und Rüstbestand. Die Zeugnisse aus fünf Jahrhunderten Kriegshandwerk stammen aus der Sammlung des Bruders von Herzog Friedrich August, Georg Ludwig, der im Laufe seiner Militärkarriere zahlreiche ritterliche Erinnerungsstücke nach Oldenburg brachte. Zu den mehr als hundert Waffen und Rüstungen zählt auch ein „hiebfester“ Streitkolben von 65 Zentimetern Länge aus dem 15. Jahrhundert.

Wie mit solchen wuchtigen Gerätschaften tatsächlich hantiert wurde, können wir heute nur noch erahnen. Wer die schlachtenlastige Erfolgsserie „Vikings“ verfolgt hat, weiß, dass Axt oder Kolben grundsätzlich auf zwei Dinge ausgelegt waren. Sie sollten den robusten Rüstungen zusetzen und den Gegner durch gezielte Schläge möglichst schwer verletzen. Ein Schlag mit dem Kolben konnte auch den bestgeharnischten Arm brechen, heißt es in einer älteren Waffenkunde.

Schon im hohen Mittelalter galt der Kolben, Nachfahre der einfachen Keule, als Prestigewaffe, die von professionellen Reitern geführt wurde und sich deshalb zum prächtig verzierten Rangabzeichen bedeutender Heerführer entwickelte. Der Streitkolben des Landesmuseums ist ein schlichtes Exemplar, das nicht zur Schau, sondern zum echten Kampf benutzt wurde.

Das Kämpfen war eine grundsätzlich männlich geprägte Praktik, erklärt der Historiker Eric Burkart von der Universität Trier, der historische Zweikampfbücher untersucht. Bei der Verteidigung einer Stadt waren zumindest indirekt auch Frauen beteiligt. So fasst ein oldenburgisches Musterungsregister unter den „wehrhaftigen Mannheiten“ der Stadt auch Witwen, die für ihre verstorbenen Männer Knechte ins Feld schicken und entsprechend dafür aufkommen mussten.

Ob eine Bürgerwehr hierzulande auch mit Streitkolben kämpfte, ist fraglich. Beliebt war die weniger edle Streitaxt und der lange Spieß, der gut drei Meter messen konnte. Ein solch imposantes Exemplar zeigt das Landesmuseum in seiner landesgeschichtlichen Ausstellung im Schloss.

Als symbolisches Kennzeichen von Monarchen überlebte der Streitkolben bis ins 17. Jahrhundert und ist daher ein besonders dauerhaftes Zeugnis der Waffenschmiedekunst.

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