Oldenburg Sie war gerade einmal 19 Jahre alt, als sie ein Lied schrieb, dessen Text höchst rätselhaft zu sein schien. Kein Grund für mehr als vier Millionen Menschen, diesen melancholischen Popsong nicht zu lieben und zu kaufen. Mit „Twist In My Sobriety“ begann 1988 die Karriere der Tanita Tikaram – und 31 Jahre später ist die musikalische Laufbahn der Britin immer noch ähnlich verdreht wie der Inhalt ihres ersten Welthits.

Konzertreihe mit sechs Stars

Termine der Konzertreihe mit sechs Stars in der Oldenburger Kulturetage (Bahnhofstraße 11):


26. September: Tanita Tikaram (Singer/Songwriterin)


28. September: Alexa Feser (Liedermacher-Pop)


23. Oktober: Stefan Gwildis (deutscher Soul)


24. Oktober: John Mayall (Bluesrock)


26. Oktober: Heinz Rudolf Kunze (Pop, Rock)


4. Dezember: Inga Rumpf (Blues, Rock, Soul)

Alle Konzerte in der Kulturetage beginnen um 20 Uhr.

Infos und Karten unter www.kulturetage.de

Immerhin führt Tanita Tikaram die jüngste Wendung ihres Lebensweges wieder auf Europatournee, und die lässt sie auch in Oldenburg stoppen. Am 26. September, um genau zu sein, und damit pünktlich genug, um die traditionsreiche Konzertreihe „Stars“ in der Oldenburger Kulturetage zu eröffnen. Denn ein Star, wenn auch zunächst wider Willen, der ist Tanita Tikaram seit Beginn an gewesen.

Was viel mit ihrer warmen, eingängigen und sofort zu erkennenden Stimme zu tun hat. Dank dieses vokalen Vorzugs horchte das Publikum rasch auf, als im September 1988 „Ancient Heart“, Tikarams Debütalbum, erschien. Obwohl die Sänger/Songschreiber-Szene damals gerade nicht sehr hoch im Kurs stand, hatte sie die Manager eines großen Plattenfirma überzeugt. Mit Rod Argent stellten sie ihr sogar einen ziemlich berühmten Rockmusiker (The Zombies, Argent) als Produzenten zur Seite. Ergebnis: zwei riesige („Twist In My Sobriety“, „Good Tradition“) und zwei kleinere Hits.

Das nachdenkliche „Sobriety“, das mit seinem fast existenzialistischen Text kaum unter der Dusche nachgesungen werden kann, traf den Nerv der Hörer. „Der größte Teil des Songs handelt vom Nicht-verstanden-werden“, erklärte Tikaram zehn Jahre später in einem Interview. „Wenn man 18 ist, hat man eben ein sehr spezielles Verhältnis zur Welt. Man fühlt sich isoliert, man denkt, alle anderen um dich herum seien distanziert und kühl.“

Die Popularität, die die im westfälischen Münster geborene Tochter eines Inders und einer Malaysierin dank dieses Debüts in kürzester Zeit erlangt hatte, war der Sängerin aber fast zu viel des Guten. Sie zog sich zurück, um sich und ihr Leben neu zu ordnen – eine Vorgehensweise, die Tanita Tikaram seitdem oft wiederholt hat; ihre längste Auszeit nahm sie von 1998 bis 2005.

Trotzdem schaffte sie es, bis heute neun Alben zu veröffentlichen. Kein Superhit war mehr dabei, aber viele Lieder auf hohem künstlerischen Niveau, die Tikaram als außergewöhnliche Musikerin dauerhaft etablierten. Ihre Fangemeinde hielt ihr sowieso die Treue.

Das war zum Beispiel im Herbst 2017 zu erleben, als die Britin, die die kanadische Sängerin Joni Mitchell als ihr größtes Vorbild nennt, erstmals in Oldenburg auftrat. Eine randvolle Kulturetage bejubelte Tanita Tikaram, die sich locker und spielfreudig durch ihr großes Repertoire sang und von einer präzisen Band begleitet wurde. „Die Erinnerung daran, wie sie ihre Balladen vorgetragen hatte, verursacht mir jetzt noch Gänsehaut“, freut sich Andreas Holtz, Musikchef der Kulturetage, auf die Rückkehr des Stars bei den „Stars“-Konzerten ab September.

Die dann 50-Jährige hat ihrer neuen Tournee den Titel „The Woman in the Band“ gegeben. Die „Frau in der Gruppe“ wird dabei unter anderem ihr neues Album vorstellen, mit dem sie drei Jahre nach ihrer bislang letzten CD „Closer to the People“ einmal mehr eine Rückkehr zu musikalischen Höhen feiert. Doch auch die früheren Erfolge werden nicht ungespielt bleiben, auf dass man weiterhin oder aufs Neue rätseln darf, was denn nun „Twist In My Sobriety“ bedeuten mag. Teenager-Lyrik mit Langzeitwirkung eben.

Klaus Fricke
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