Oldenburg /Tallinn Der Schriftsteller Eduard Graf von Keyserling (1855 bis 1918) hat den Oldenburger Schriftsteller Klaus Modick zu einem Roman inspiriert. Nun ist „Keyserlings Geheimnis“ (Kiepenheuer & Witsch 2018) auch in Estland erschienen. „Keyserlingi saladus“ heißt das Buch auf Estnisch, dessen Schauplätze ja teilweise in Estland spielen. Modick wird aus dem Buch im Mai in Estland lesen, und zwar in Tallinn und auf dem Kirjandus-Literaturfestival vom 4. bis 9. Mai in Tartu (Dorpat). Die Lesungen sind auf Deutsch und Estnisch.

Der Schriftsteller Eduard von Keyserling wurde 1855 als Sohn baltischer Adliger in Kurland (heute ein Teil von Lettland) auf Schloss Paddern in der Nähe der Stadt Hasenpoth (Aizpute) geboren. Er besuchte das Gymnasium von Goldingen (Kuldiga, heute Lettland) und später die deutschsprachige Universität des Baltikums in Dorpat (heute Tartu, zweitgrößte Stadt in Estland). Er wurde dort aus einer studentischen Vereinigung ausgeschlossen und verließ die Universität unter ungeklärten Umständen.

Dieser Studienaufenthalt und die ungeklärten Umstände von Keyserlings Verschwinden aus Dorpat boten Modick den Stoff für den Roman, der freilich noch weitere Handlungsorte im Baltikum und in Deutschland hat.

Modick liest in Tartu zusammen mit Schriftstellern aus Polen (Marek Krajewski), Frankreich (Jean Echenoz), Russland (Aleksei Salnikov, Guzel Jahhina, Viktor Senderovit), Spanien (Julio Llamazares) sowie seinem deutschen Schriftsteller-Kollegen Uwe Laub. Das Literaturfestival in Tartu gibt es schon seit 2004. Zu den Autoren, die dort lasen, gehören Wolf Biermann, Klaus-Peter Wolf oder Umberto Eco. Literatur spielt in dem kleinen baltischen Land (Estland hat eine Millionen Einwohner, die meisten davon leben in Tallinn) eine große Rolle, wie überhaupt die baltischen Länder Buchpublikationen in den baltischen Sprachen stark fördern.

Klaus Modicks Novelle „Moos“ (1984 bei Haffmans in Zürich erschienen) ist ins amerikanische Englisch übertragen worden („Moss“, Bellevue Literary Press, New York 2020), auch eine Übertragung ins Französische gibt es (Paris 2020). Der Roman „Ins Blaue“ (1985 bei Affholderbach & Strohmann, Siegen) ist ins Dänische übertragen worden („Ud i det bla“, Wisby & Wilkens, Galten 1991). Übersetzt wurde auch „Das Grau der Karolinen“ (Französisch, Italienisch, Slovakisch), „Der kretische Gast“ ins Griechische, „Sunset“ ins Italienische und ins Iranische, „Vierundzwanzig Türen“ ins Litauische. Und der Erfolgsroman „Konzert ohne Dichter“ über den Dichter Rilke und Worpswede gibt es auf Tschechisch, Italienisch und Französisch. Insgesamt sind zehn Werke in zehn verschiedene Sprachen übersetzt, darunter eines ins Koreanische.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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