Oldenburg Der E-Bass gilt in der populären Musik nicht unbedingt als Instrument für Frauen. Sagt man – stimmt aber eher nicht. Beste Beispiele sind Gail Ann Dorsey (David Bowie u.a.), Kim Gordon (Sonic Youth) oder Tina Weymouth (Talking Heads). Und dann ist da Tal Wilkenfeld.

Noch nie gehört? Nun, das legt sich bald. Tal Wilkenfeld ist eine 33 Jahre alte Bassgitarristin aus Australien – und ein kommender Star. Die junge Frau wird am 18. Juli beim Oldenburger Kultursommer auftreten, bestätigten die Veranstalter. Sie wird für das Festival nicht nur ein Höhepunkt sein, sondern könnte auch das werden, was Adam Green 2005 gewesen ist: unbekannt, als er seine Zusage für Oldenburg gab; und weltberühmt, als er wenige Monate später den Schlossplatz aus allen Nähten platzen ließ.

So wenig wie der Karrieresprung des Adam Green vorhersagbar war, ist ungewiss, ob Tal Wilkenfeld solch ein Coup gelingen wird. Eines ist anders: Seit sie 2019 ihre zweite Solo-CD „Love Remains“ veröffentlicht hat, prasselt das Lob ein auf die Frau an den tief tönenden Saiten.

Es ist – und das ist eine Rarität – ein Singer/Songwriter-Album, bei dem der Bass im Vordergrund steht. Ein Album, auf dem Wilkenfeld mit ihrer Band Songperlen aneinanderreiht. Eine Platte, in die sich selbst Pete Townshend verliebte – was die Gitarren- Legende bewegte, Tal Wilkenfeld im Programm der jüngsten The-Who-Tournee zu präsentieren.

Mit großen Auditorien kennt sich die Australierin längst aus. Bereits als 16-Jährige übersiedelte sie in die USA, um in Los Angeles und später New York sich als Session-Musikerin zu behaupten. Sie knüpfte dort ein enges Netzwerk, das ihr 2007 half, ihr Solo-Debüt „Transformation“ einzuspielen. Ein Album voller komplizierter und trotzdem eingängiger Jazzrock/ Fusion-Stücke, das Tal Wilkenfeld in die Tradition von Bass-Größen wie Jaco Pastorius und Jack Bruce stellte.

Das außergewöhnliche Talent des Neulings fiel einem Altmeister auf: Jeff Beck. Der britische Gitarrist engagierte sie 2007 für seine Begleitband – und merkte sehr bald, welches Juwel er da auf der Gehaltsliste stehen hatte: Tal Wilkenfeld riss mit ihrem gut einminütigen Solo im Stevie-Wonder-Song „Cause we’ve ended as lovers“ die Massen mit, in den Stadien von Amerika ebenso wie im Ronnie Scott’s Club in London. Und Jeff Beck stand staunend und begeistert daneben. So viel Bass-Power war selten. „Genie“, flüstern Experten.

Nach knapp vier Jahren bei Jeff Beck nahm Wilkenfeld ihre Session-Tätigkeit wieder auf, spielte mit Herbie Hancock, Jackson Browne, Ryan Adams oder Wayne Shorter. Jahre, in denen sie ihr Bassspiel weiter perfektionierte – und ihren Stil änderte. Weg vom strengen Fusion-Jazz, hin zu einer intelligenten Popmusik, die dem Bass einen neuen Stellenwert beigibt. Denn selbst in funkelnden (Liebes-)Liedern wie „Under the sun“ oder „Killing me“ hat der Viersaiter die Regie. Orgel, Gitarre und Schlagzeug veredeln dann die Songs der Tal Wilkenfeld.

Die Offensive, die die Australierin in diesem Jahr starten will, führt sie am 18. Juli nun an die Hunte. Mindestens 4000 Zuschauer werden ihr lauschen, wohl nicht nur, weil Kultursommer-Konzerte traditionell gratis sind. Der Name Tal Wilkenfeld dürfte dann schon starke Magnetwirkung besitzen.

Klaus Fricke
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