Oldenburg Zahlen zählen nicht? Von wegen. Zahlen sagen viel aus. Auch am Staatstheater. Zum ersten Mal, erklärt Oldenburgs Generalintendant Christian Firmbach (51), wird in der nächsten Saison der komplette „Ring“ unter dem Titel „Zyklus I“ gezeigt werden. „Das“, sagt der Chef des Staatstheaters, „hat es bislang in dieser Stadt nicht gegeben.“ Und er fügt stolz an: „Vier Teile in neun Tagen, 16 Stunden Wagners Musik!“.

Er ist sicher: „Das wird prägend für das Haus und einmalig für Oldenburg! Das macht keiner in den nächsten 30 Jahren hier.“ Damit könnte er recht haben.

Ein Gestrandeter

Die nächste Saison, die am Donnerstag offiziell vorgestellt wurde, zählt noch weitere Höhepunkte. Im Bereich Oper sind das unter anderem an einem Doppelabend „Venus and Adonis“ von John Blow und „Dido and Aeneas“ von Henry Purcell. Oder „La Sonnambula“ von Vincenzo Bellini („ein Stimmenfest“, so Firmbach). Oder Verdis „Maskenball“. Oder „Rusalka“ von Dvorak und als moderne Oper „Flight“ von Jonathan Dove.

„Flight“ erzählt jene Geschichte, die der Amerikaner Tom Hanks mal wunderbar in dem Spielfilm „Terminal“ verkörperte: Er bleibt als Gestrandeter auf einem Flughafen hängen.

Im Schauspiel kann man nicht als Erste, aber schon wenige Tage nach der Uraufführung am 13. Mai 2020 „Gott“ ins Programm nehmen. Es ist das zweite Theaterstück von Ferdinand von Schirach. Wie Schirachs „Terror“, das wegen des Erfolgs wiederaufgenommen wird, geht es in „Gott“ um eine ethische Grenzsituation, diesmal um den selbstbestimmten Tod. Und wieder können die Zuschauer über den Ausgang des Dramas abstimmen. Eine erfolgreiche Masche von Schirach? Man wird sehen. Zu „Gott“ passt irgendwie Goethes „Faust“. Den wird es endlich mal wieder in Oldenburg geben, sogar im Großen Haus, was für ein Schauspiel nicht selbstverständlich ist. Daneben spielt man im Dramenbereich unter anderem „Medea“ von Grillparzer, Brechts „Puntila“ und die Uraufführung „Mission Mars“ von Björn SC Deigner. Die Saison eröffnet am 14. September „Dinge, die ich sicher weiß“ von Andrew Bovell. Im Schauspiel zeugen allein neun Wiederaufnahmen vom regen Zuspruch. Dazu gehört „Supergute Tage“ von Simon Stephens mit Franziska Werner in der Hauptrolle. Das Drama läuft jetzt schon in der sechsten Spielzeit.

Das Junge Staatstheater zählt pro Saison fast 40 000 Besucher – auch so eine Zahl, die Firmbach stolz macht. Als Weihnachtsmärchen wird es den „Gestiefelten Kater“ geben. Ein Kindermusiktheaterstück will Firmbach uraufführen lassen: „Orpheus und die Zauberharfe“.

Das Ballett stockt Firmbach weiter auf. Als er in Oldenburg begann, hatte er zehn Tänzer im Ensemble. Ab der nächsten Saison sind es 14. Mehrere Tanzuraufführungen stehen an – und ein Austausch von Staatstheater zu Staatstheater: Das Mainzer Ballett gastiert in Oldenburg, die Oldenburger mit einem Tanzstück in Mainz. Dort ist Markus Müller (46) Intendant. Der war bis 2014 in Oldenburg der Vorgänger von Firmbach.

Über 7500 Abonnenten

In der laufenden Spielzeit wird man wieder die Marke von 200 000 Zuschauern knacken, ist sich Firmbach sicher. Über 800 Abonnenten, schätzt er, habe er in seinen fünf Spielzeiten dazugewonnen. Über 7500 Abonnenten zählt man insgesamt in Oldenburg – mehr als in mancher Metropole. Lässt sich das noch steigern? „Wir haben Probleme“, gibt Firmbach zu. „Wir können nicht alle Kartenwünsche befriedigen!“ Also ein Luxusproblem. Bis zur Spielzeit 2023/24 läuft Firmbachs Vertrag. Dann ist er zehn Jahre in Oldenburg. Auch so eine interessante Zahl.

Überblick über die Premieren der Saison 2019/2020


Oper


„Venus and Adonis“, „Dido and Aeneas“, 31. August, Kleines Haus
„Götterdämmerung“, 28. September, Großes Haus 
„La Sonnambula“, 18. Oktober, Großes Haus
„Un Ballo in Maschera“, 7. Dezember, Großes Haus
„Winterreise“, 8. Dezember, Spielraum
„Rusalka“, 15. Februar 2020, Großes Haus
„Flight“, 5. April 2020, Großes Haus
„Zaide“, 7. Juni 2020, Kleines Haus
„Der Ring“, 26. Juni bis 4. Juli 2020, Großes Haus


Schauspiel


„Dinge, die ich sicher weiß“, 14. September, Kleines Haus
„Medea“, 3. Oktober, Kleines Haus
„Herr Puntila und sein Knecht Matti“, 23. November, Kleines Haus
„Mission Mars“, 10. Januar 2020, Exerzierhalle
 „Freiraum!“, 29. Februar 2020, Kleines Haus
„Faust“, 7. März 2020, Großes Haus
„Über meine Leiche“, 8. Mai 2020, Kleines Haus
„Gott“, 13. Mai 2020, Großes Haus


Ballett


„Quantum Leap/Pierrot Lunaire/An den Ufern des Sees“, 12. Oktober, Großes Haus
„Vanitas“, 25. Januar 2020, Großes Haus
 „Ogami/Harmonic Language/Wild Hearts“, 28. März 2020, Kleines Haus


Junges Theater


 „Keine Panik!“, 6. September, Exerzierhalle
„Bambi“, 20. Oktober, Spielraum
„Der gestiefelte Kater“, 10. November, Großes Haus
„Eine lacht, eine weint, eine bleibt“, 16. November, Exerzierhalle
„Orpheus und die Zauberharfe“, 13. Mai, Spielraum
„Ballett für Kinder“, 8. Juli 2020, Kleines Haus 


Niederdeutsches Schauspiel


„Hein Godenwind“, 5. November, Kleines Haus
„Die Ruum-Maten“, 2. Februar 2020, Kleines Haus
„Teemlich beste Frünnen“, 3. April 2020, Kleines Haus


Festivals


„Flausen und Banden“, 14. bis 17. Mai 2020
Jugendtheatertage, Juli 2020, Exerzierhalle

Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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