Oldenburg Argentinien ist als Filmland für Europäer ein weißer Fleck auf der Leinwand. Dabei genießt das Filmfestival Bafici einen hervorragenden Ruf, und Regisseur Daniel Burman gewann bei der Berlinale 2004 für „El abrazo partido“ den Silbernen Bären. Doch ansonsten ist der Schauwert aus deutscher Sicht noch gering. Das Filmfest Oldenburg aber macht sich daran, dies zu ändern: Der Streifen „Initials S.G.“ ist eine der großen Entdeckungen der Saison.

Die Regisseure Rania Attich und Daniel Garcia lassen in ihrer Tragikomödie einen alternden Kleindarsteller die Finaltage der Fußball-WM 2014 erleben. Sergio Garces, gespielt von Diego Peretti, ist ein Mittfünfziger mit aufbrausendem Temperament. Das bringt ihm Ärger ein: Vor Gericht, wo er selbst als Opfer eines Verkehrsunfalls verurteilt wird, beim Arzt, den er verpasst, im Kino, wo man ihn bittet, still zu sitzen. Und schließlich im Fahrstuhl, der steckenbleibt, was einen Mitfahrer derart durchdrehen lässt, dass Garces ihn umbringt. Kurz danach schießt Mario Götze das 1:0 für Deutschland im WM-Finale – Argentinien ist geschlagen. Und Sergio Garces auch.

„Initials S.G.“ erzählt eine zunehmend verrücktere Geschichte, in der Diego Peretti, dessen klobige Nase in Südamerika berühmt ist, eine große schauspielerische Leistung abliefert, Und der Film verbeugt sich zugleich vor Frankreich. Die Initialen „S.G.“ stehen nicht nur für Sergio Garces, sondern auch für den Chansonnier Serge Gainsbourg, dessen Lieder (unter anderem „Requiem por un con“ und „La Javanaise“) Garces auf Spanisch nachsingt. Die Atmosphäre der Bilder erinnern stark an Louis Malles Meisterwerk „Fahrstuhl zum Schafott“ (1958), in dem die Charaktere ebenso leidend zugrunde gehen wie in dem argentinischen Streifen.

Die Musik von Miles Davis setzte damals ähnlich starke Akustiktupfer, wie die von Bill Laurance es nun tut. Und nicht zuletzt brilliert die US-Seriendarstellerin Julianne Nicholson („Criminal Intent“) in der Rolle von Sergios Freundin Jane – benannt nach Jane Birkin, Gainsbourgs Geliebte, nur in Buenos Aires.

Klaus Fricke
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