Oldenburg Es gibt Höchstleistungen im Jazz, die sind erklärbar durch die Anwesenheit des Gegenüber. So pflegten die beiden Trompeter Louis Armstrong und Jabbo Smith schon Ende der 20er Jahre eine gesunde Rivalität, 1960 brachte Saxophonist John Coltrane den Trompeter und Bandleader Miles Davis mit seinem Solospiel zur Weißglut – und ähnliches berichtet man von Bass-Legende Charles Mingus im Umgang mit dem Multiinstrumentalisten Eric Dolphy.

Dass es auch ganz anders geht, beweisen der Oldenburger Saxophonist Raimund Moritz und der Kölner Trompeter Matthias Bergmann, die sich – frei nach dem Motto „Alte Bekannte - Neue Band“ – nach vielen Jahren entschlossen, ein Freundschaftsprojekt mit ihren Lieblingsmusikern zu verwirklichen. „Moodswing“ heißt das wunderbare Album, das am 20. September erscheinen wird.

Schlussspurt der Alluvium-Feierlichkeiten im Oktober

Zum 60-jährigen Bestehen des Jazzclub Alluvium e.V. findet zwischen 25. und 27. Oktober in Kooperation mit der Jazzmusiker-Initiative Oldenburg ein Festival statt, auf dem sich verschiedene Oldenburger Musiker mit ihren Bands präsentieren.

Den Auftakt machen am Freitagabend sechs Bands von Bebop bis Funk, Duo bis Septett und a-capella bis Instrumental. Unter dem Motto „Total Lokal“ spielen am 25. Oktober die Lokalmatadore Jörn Anders, Daniel Berg, Britta Dinkelbach, Joe Dinkelbach, Martin Flindt, Sabine Hermann, Raimund Moritz, Chris Olesch, Jens Piezunka, Florian Poser, Philipp Pumplün, Frank Schultz und viele andere.

Am Samstag lautet das Motto „Lokal international“ mit dem Duo Sabine Mariss-Gerhard Böhm, Maria de Fátima sowie dem Benny Troschel Cologne Quartet. Am Sonntag geht es weiter mit einem Jazz-Frühschoppen mit Chapeau Manouche.

Kartenreservierung unter Tel.: 0179-7663588 oder

    www.jazzclub-alluvium.de

Das „Bergmann Moritz Quintet“ wird komplettiert von der Hamburger Gitarristin Sandra Hempel, seit wenigen Jahren Mitglied der NDR Bigband, der kürzlich aus New York nach Hannover zurückgekehrte Bassist Peter Schwebs sowie Schlagzeuger Christian Schoenefeldt aus Oldenburg.

Zwei Tage standen der Formation zur Verfügung, entsprechend konzentriert liefen die Aufnahmen im März ab, berichtet Moritz. „Auch deshalb ist es sehr hilfreich, wenn man sich gut kennt und weiß, was man von seinen Mitmusikern erwarten kann.“ Die CD „Moodswing“ mit neun Stücken erscheint im kommenden Monat auf Fattoria Musica Records, dem Label des Studios in Osnabrück, wo die Aufnahme entstand.

Darauf enthalten sind überwiegend Eigenkompositionen der Bandleader, zum Beispiel die Ballade „Stray“, die Bergmann dem Komponisten Billy Strayhorn gewidmet hat, oder „One for Bob“, Moritz’ Hommage an den Saxophonisten Bob Mintzer. Jeweils eine Komposition des Trompeters Bert Joris und des Saxophonisten Jerry Bergonzi vervollständigen das Album.

„Moodswing“ bezeichnet einen extremen oder schnellen Stimmungswechsel. Die Psychologie kennt solche Stimmungsschwankungen, die wiederum einen positiven Beitrag zur Problemlösung leisten können. Und das passt: Denn dieses Album beugt schlechter Laune vor. Die Musik kommt modern und zeitgemäß daher, bleibt melodisch und swingend.

Wer über Jahrzehnte hinweg Jazz spielt, wird früher oder später ins musikalische Netzwerk des anderen dringen. So war es beim gebürtigen Emder Bergmann und dem Kölner Moritz, die einander in den 90er Jahren am renommierten Conservatorium Hilversum in den Niederlanden kennen lernten.

Interessanterweise landete Bergmann in Köln, von wo aus sich Moritz 1998 nach Oldenburg veränderte. „Jazz bedeutet für die allermeisten Künstler immer auch Offenheit für die Musik des anderen“, sagt der erfahrene Saxophonist, der bei Peter Herbolzheimer und Jerry van Royen lernte, später in Projekten mit Joe Dinkelbach, Elmar Braß, Martin Flindt, Christian Schoenefeldt, Philipp Pumplün und Hannes Clauss zusammentraf. Beim Teamspiel Jazz ist eine gegenseitige Sympathie niemals schädlich.


     www.moritzjazz.com 
Oliver Schulz Leitender Redakteur / Redaktion Kultur/Medien
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