Oldenburg Lukas, ein Schüler von 18 Jahren, entdeckt im legendären Jahr 1968 seine große Liebe: die Musik. Und zwar nicht irgendeine Art von Musik, nein, Lukas verbringt Nächte vor dem wuchtigen Röhrenradio, lauscht den Militärsendern AFN und BFBS, „weil amerikanische und britische Soldaten zweifellos einen besseren Musikgeschmack“ hatten als Lukas‘ Eltern.

Der Oldenburger Autor Klaus Modick hat eine Hommage geschrieben – an das Lebensgefühl von 1968, an die Musik, vor allem aber an einen Vertreter jener Zeit: Leonard Cohen, wie sein neues Buch auch schlicht heißt. Erschienen ist es jetzt in der Reihe „KiWi Musikbibliothek“. Autorinnen und Autoren schreiben in der Reihe über ihre Lieblingsmusiker – und was ihnen diese bedeuten. Modick geht es etwas anders an: Er erzählt eine fiktive Geschichte, in der die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Traum verschwimmen.

Protagonist Lukas hört eines Nachts, irgendwo zwischen wach und Traum ein Lied, das sein Leben nachhaltig verändern wird. Am nächsten Tag kann er sich weder an Titel noch an Interpret erinnern, weiß nur, dass es um eine „Suzanne“ ging „Das Ganze ergab keinen rechten Sinn und hatte dennoch eine überzeugende, geradezu überwältigende Logik, war voller sehnsüchtiger Sinnlichkeit, aber fernab allen Klischees“, schreibt Modick. Ein gesungenes Gedicht von einem Sänger, der weiß, wovon er singt. Lukas findet zu diesem Sänger – und bleibt ihm treu.

Wie viel „Klaus“ in dem buchstabenverdrehten „Lukas“ steckt, bleibt der Interpretation der Leserinnen und Leser überlassen. Modicks Verehrung für Cohen wird jedoch überdeutlich. Die Verneigung vor dem großen Songpoeten verpackt der Autor in seiner traumwandlerischen Coming-of-Age-Geschichte in charmant-poetische Sprache und zahlreiche Anspielungen auf Cohens Werk und Leben: zum Beispiel die dünnen, grünen Kerzen, die Lukas entzündet – wie in Cohens „One of Us Cannot Be Wrong“.

Oder die griechische Insel, auf der Lukas in einer Sinnkrise auf der Suche nach dichterischer Inspiration landet. Ist es Hydra, die Insel, auf der Cohen in den Sechzigern lebte und schrieb? Und der mysteriöse Mann im Hafen von Saloniki, der Lukas den Tipp gibt, die Fähre zu ebendieser Insel zu nehmen – ist es Cohen selbst?

Oder Meret, die Dänin, die Lukas auf der Insel trifft und die betont, sie heiße nicht Marianne – wie die Norwegerin, mit der Cohen auf Hydra zusammenlebte. Ist Meret vielleicht doch Marianne?

Mehr erfahren können Cohen-Fans bei Modicks Lesung am Dienstag, 3. März, 19.30 Uhr, im Musik- und Literaturhaus Wilhelm13, Leo-Trepp-Straße 13 in Oldenburg. Karten: Tel.: 0441/235 3014.

Nathalie Meng Redakteurin / Online-Redaktion
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