Oldenburg Klaus Modick hat sein neues Album vorgestellt: ein Doppelalbum, grünes Cover, 15 Tracks auf der ersten Platte, 16 auf der zweiten, dazu ein Bonustrack.

Klaus Modick? Ein Album? Nein, natürlich nicht. Mit Monika Eden, Leiterin des Literaturhauses Oldenburg, sprach der beliebte Autor am Dienstagabend im Musik- und Literaturhaus Wilhelm 13 vor ausverkauftem Haus über sein neues Buch: „Leonard Cohen“ – erschienen als Band 5 in der KiWi-Musikbibliothek im Verlag Kiepenheuer & Witsch.

Dabei ist das mit dem Album nicht so abwegig. Nicht nur, weil Modick die beiden verwobenen Geschichten in „Tracks“ statt „Kapitel“ unterteilt. Nicht nur, weil er eigentlich Musiker werden werden wollte, so sagt er: „Der deutsche Leonard Cohen“. Die Albumanspielung ist auch deshalb passend, weil Modicks Erzählung über den jungen Lukas neben einer Hommage an Leonard Cohen auch eine an die Musik jener Zeit ist.

Bob Dylan, Simon & Garfunkel, die Stones und natürlich die Beatles, über die Modick eigentlich lieber geschrieben hätte – ihre und die Musik vieler anderer Künstler jener Generation kommen vor.

Und so spricht Modick zwar auch über Cohens besonderen Stil, über Songs, bei denen sich Sinnlichkeit mit Spirituellem mische. Modick schwärmt von Cohens Liedern, die „vertonte Gedichte auf hohem Niveau“ seien, oft schwer zu verstehen, aber: „Die Musik transportiert etwas, das bei den Texten verborgen bleibt.“ Er liest humorige, erotische und poetische Abschnitte aus dem Buch, spricht über die unvermeidliche Verquickung von Dichtung und Wahrheit beim Schreiben.

Vor allem aber spricht er darüber, wie die Musik der Sechzigerjahre das Lebensgefühl einer Generation beschreibt. „Ich habe das Glück gehabt, mit dieser Musik aufzuwachsen“, sagt Modick und bezweifelt, dass es eine vergleichbare Identifikation mit Musik in folgenden Generationen gegeben habe – wenngleich er dies natürlich nicht beurteilen könne, da müsse man jüngere Leute fragen. „Ich glaube aber, die Wichtigkeit von Musik, die einem ins Herz geht, war größer.“

Das liege wohl auch daran, dass es Musiker vom Format eines Cohen oder Dylan, deren Werk und künstlerische Identität über Jahre gewachsen ist, kaum noch gebe. Und daran, dass diese Kunstform heute jederzeit und überall verfügbar sei: „Musik wird immer mehr entmaterialisiert. Die Wahrnehmung, dass durch Musik ein Werk entsteht, zerfällt.“

Anders als bei Büchern – ein Glück, findet Monika Eden, denn was hätte Modick am Ende des Abends denn signieren sollen, hätte auch das gedruckte Buch ausgedient?

Nathalie Meng Redakteurin / Online-Redaktion
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