Oldenburg Wer einen Leuchtturmwärter auf Wangerooge in der eigenen Familie vorweisen kann, scheint per se als Chronist des Nordwestens gut geeignet. Doch nicht nur deshalb ist Judith Hermann als Reisestipendiatin der Kulturstiftung Öffentliche Oldenburg eine treffliche Wahl: Die 1970 in Berlin geborene Schriftstellerin verbrachte in ihrer Kindheit einige Zeit bei der Familie im Wangerland, und sie hält sich auch heute noch gern in der Region auf. Dass sie dies nun quasi beruflich tun konnte, war für sie besonders spannend: „Es war eine Art Expedition. Manches in der Region habe ich zum ersten Mal gesehen.“

Zum fünften Mal zeichneten Kulturstiftung Öffentliche Oldenburg und Literaturbüro Oldenburg im Projekt „Literarischer Landgang“ einen hochkarätigen Autor mit einem Reisestipendium aus. „Wir setzen einen deutlichen Akzent in der bundesweiten Literaturförderung und berücksichtigen gleichzeitig Regionalität“, sagte Jürgen Müllender, Vorstandsmitglied der Öffentlichen.

Nach den bisherigen Stipendiaten Matthias Politycki, Marion Poschmann, Michael Kumpfmüller und Mirko Bonné bleibt der Auftrag diesmal gefühlt im Nordwesten. Und obwohl ihre familiären Wurzeln auch Meerwasser tankten, erfuhr die mit dem Kleist-Preis und dem Friedrich-Hölderlin-Preis ausgezeichnete Schriftstellerin eine neue Sicht auf die Region. „Diese Reise war beinahe schöner, als ich sie mir vorgestellt hatte“, schwärmt Judith Hermann. „Sie hat mich sehr bereichert – oder anders ausgedrückt: Sie hat im Wortsinn meinen Horizont erweitert.“

Dazu war Hermann vom 16. bis zum 22. September in den Landkreisen Ammerland, Cloppenburg, Friesland, Oldenburg, Wesermarsch und Vechta sowie in den Städten Delmenhorst, Oldenburg und Wilhelmshaven unterwegs. „Es war eine Art Expedition: Vieles in der Region habe ich zum ersten Mal gesehen.“

An ihrer Seite war der Wangerländer Illustrator Andreas Reiberg. „Das Schreiben ist oft eine ziemlich einsame Angelegenheit. Auch deshalb war es schön, zusammen mit ihm auf diese Reise zu gehen. Am Ende wünschen wir uns eine Art Logbuch zum Oldenburger Land mit Zeichnung und Text.“

Bis zum Sommer soll die Arbeit abgeschlossen sein – denn im kommenden Juni steht die Lesereise im Nordwesten auf dem Programm. Eine ambitionierte Aufgabe, weiß Judith Hermann, die keinen Aufschub duldet. „Die eigentliche Arbeit am Text beginnt heute früh um acht.“

Oliver Schulz Leitender Redakteur / Redaktion Kultur/Medien
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