Oldenburg Robert Schumann ist nicht nur einer der größten Komponisten, sondern war in seiner Zeit auch der bedeutendste Musikkritiker. Nach der Uraufführung 1842 urteilte er über die „Schottische Sinfonie“ seines Freundes Felix Mendelssohn ganz richtig, dass die Wirkung gerade dieser Sinfonie „von der größeren oder minderen Virtuosität des Orchesters“ abhänge. Das gilt nach wie vor uneingeschränkt so.

Im 2. Sinfoniekonzert der Saison im Staatstheater erklang als Hauptwerk die „Schottische Sinfonie“ von Mendelssohn unter der Stabführung von Nicholas Milton. Der Australier Milton, der in der neuen Spielzeit als Chefdirigent in Göttingen anfängt, hat sich ein internationales Renommee erworben, aber das muß ja nicht bedeuten, dass er mit einem „fremden“ Orchester wie dem Oldenburgischen Staatsorchester auf Anhieb harmoniert und so einem von der sehr exakten Spielweise und der überragenden Spielkultur lebenden Werk wie der Mendelssohn-Sinfonie auch gerecht wird oder werden kann.

Um es vorweg zu nehmen: Der überragende Eindruck des 2. Sinfoniekonzertes war die geradezu kongeniale Übersetzung der Mendelssohn-Partitur in klingende Musik. Das Werk, die a-Moll-Sinfonie op. 56, erträgt von Charakter und Anlage keine Kraftmeierei und keinen ausgesprochen individuellen Gestaltungswillen. Es ist eine zarte, duftige, sehr auf den harmonischen Zusammenhang bedachte Sinfonie, der man mit dem populären Beinamen „Schottische“ eher Unrecht und Gewalt antut.

Basierend auf einem Kernthema, das Mendelssohn bei einem Besuch des alten, halb verfallenen Schlosses von Maria Stuart fand, ist die Sinfonie doch ganz und gar „absolute Musik“ und darf keinesfalls als musikalischer Reiseführer oder als schottische Nationalmusik missverstanden werden. Das außerordentlich behutsame und fordernde Dirigat wurde diesem Fortfließen der Musik aus ihrer Eigengesetzlichkeit gerecht und ein überaus gut aufgelegtes Staatsorchester fand den Tonfall von delikater Noblesse, in dem alle sicherlich auch dazugehörende Anstrengung hinter sich gelassen werden konnte. Robert Schumann wäre von der bei aller Leichtigkeit strukturierten, bewegten und am Gesamtergebnis orientierten Wiedergabe entzückt gewesen.

Vor der Pause erklangen zwei Werke, die dem Motto des Konzertes, „Elegisch“, gerecht wurden. Gottfried von Einems „Ballade für Orchester“ op. 23 erwies sich dabei als ein veritables Werk, das leider viel zu wenig im Konzertleben erklingt. Hier wie auch im Cellokonzert c-Moll op. 66 des russischen Prokofjew-Freundes Nikolai Mjaskowski brillierte der Hauptakteur, das Staatsorchester Oldenburg, federnd rhythmisch und sehr präzise.

Der auf eine lange nationale und internationale Karriere zurückblicken könnende, aus Berne gebürtige Solo-Cellist Claus Kanngiesser nahm sich ganz zurück bei der klangschönen, aber elegischen, teils gar depressiven Partitur des vom Leben gebeutelten Mjaskowski aus dem Jahr 1944. Die elegisch-depressive Grundierung des Werkes hat etwas Abgeklärtes, Defensives, gar Resignatives. Kanngiessers ruhiges und uneitles Spiel unterstrich schön diesen durchgängigen Ausdruck des Cello-Konzertes und wurde vom Auditorium mit warmem Beifall belohnt.

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