Oldenburg Dieser Trompeter habe es verdient, in der Jazz-Welt einen Namen zu haben, „as big as Miles Davis“, wie der legendäre Bandleader Peter Herbolzheimer einst über Ack van Rooyen urteilte. Der niederländische Instrumentalist feiert am Neujahrstag seinen 90. Geburtstag, und er scheint längst noch nicht genug zu haben von seiner Profession an der Trompete und vor allem am Flügelhorn.

Zuletzt war van Rooyen an zwei Tagen Ende April 2017 auf Einladung des Jazzclubs Alluvium im Oldenburger Wilhelm 13 zu Gast. Dem Konzert folgte der bunte Clubabend, bei dem der langjährige Mitstreiter in Peter Herbolzheimers Rhythm Combination & Brass mit dessen Sohn Oliver über die alten Zeiten plauderte. „Ack ist ein toller Mensch und ein herausragender Musiker. Wir haben erst vor einigen Wochen telefoniert. Er wollte von mir eine Liste mit Peters Arrangements.“ Seit dem Tod des Vaters vor fast zehn Jahren betreut Oliver Herbolzheimer den Notenversand. Immer wieder werden Big-Band-Arrangements nachgefragt und bestellt – wie von Ack van Rooyen. „Er will eben immer bestens vorbereitet sein.“

Der Trompeter, Flügelhornist und Komponist aus Den Haag verfügt über eine ebenso langjährige wie breitgefächerte Erfahrung als Live-Instrumentalist und Studiomusiker. Schon als Teenager schloß er sein Studium am Haager Musikkonservatorium mit „cum laude“ ab, ohne Umschweife folgte eine Verpflichtung beim Symphonieorchester von Arnheim.

Währenddessen wuchs das Interesse an Jazz und Improvisation. Von einer USA-Reise kehrte Ack gemeinsam mit seinem 2009 verstorbenen Bruder Jerry und dem Pianisten Rob Pronk zurück, voller Ehrgeiz, die neuen Klänge von der „52nd Street“ in New York nach Holland zu importieren.

Jahre der Begegnungen mit führenden europäischen Jazzmusikern in Big Bands und kleineren Gruppen folgten, darunter Kenny Clarke, Francy Boland, Lee Konitz, Friedrich Gulda, Eberhard Weber und Jasper van t’ Hof.

In Deutschland gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Big Band des Senders Freies Berlin (SFB) und des SDR Orchesters. Er tourte mit dem Bert Kaempfert Orchester und spielte Platten als dessen Solist ein. Gemeinsam mit Wolfgang Dauner und Albert Mangelsdorff tourte van Rooyen in Asien und Südamerika.

„Sein Markenzeichen sind ein warmer, weicher Ton, seine Leichtigkeit und Virtuosität, sowie der Verzicht auf high notes“, schreibt Reclams Jazzlexikon über den Jubilar.

Ab den sechziger Jahren spielte er dauerhaft in Großbesetzungen. „Aus der ,Rhythm Combination & Brass’ meines Vaters war er nicht wegzudenken. Wenn er unerwartet ausfiel, wurde schon mal der ganze Auftritt abgesagt“, erinnert sich Oliver Herbolzheimer, der Ack van Rooyen vor 50 Jahren kennenlernte. „Oft wohnten die Musiker vor einer Konzertreise bei uns zu Hause. Das war billiger und förderte den Teamgeist.“

Zudem war Ack van Rooyen Mitgründer des „United Jazz & Rock Ensembles“, einer Fusion-Band, die von 1977 bis 2002 bestand und Größen des Jazz und Jazzrock aus ganz Europa wie Dauner, Mangelsdorff, Weber, aber auch Barbara Thompson, Volker Kriegel und Charlie Mariano vereinigte. In der langen Schaffensphase der Band wurden 15 Alben veröffentlicht, alle unter dem Mood-Records- Label. Das Debütalbum „Live im Schützenhaus“ ist bis heute die erfolgreichste deutsche Jazzplatte.

Oliver Schulz Leitender Redakteur / Redaktion Kultur/Medien
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