Oldenburg Dies ist, als Warnung vorneweg, ein Film für Liebhaber von Rätseln und für Freunde von tranceartigen Szenen. Und manchmal denkt man als unbedarfter Zuschauer sogar: Ist der Streifen „The Boat“, den Regisseur Petrus Cariry geschaffen hat, überhaupt fertig bearbeitet worden? Oder hat man einfach vergessen, die Szenen ordentlich sortiert zu einer Handlung zu fügen? Nun, dieser Film pflegt eben eine besondere Kunstform – die des Fragments.

Grob gesagt geht es in dem brasilianischen Kunstfilm „The Boat“, der auf dem Filmfest in Oldenburg mit englischen Untertiteln gezeigt wird, um eine Esmeralda an einem fantastischen Strand. Dort hat die hübsche Frau 26 Kinder, die allesamt praktischerweise nach dem Alphabet benannt sind.

Das erfährt man nach und nach, auch von einem raunenden Erzähler aus dem Off kommentiert. Der Rest sind bildkräftige Szenen mit Meeresrauschen, Wellen, die sich brechen, Strand mit Netzfischerei als robuster Handarbeit und etlichen Strohhutträgern. In dem archaisch wirkenden Miniparadies kommt es zur Unruhe, als Sohn A sich nach mehr sehnt. Und als dazu ein geheimnisvolles Boot strandet mitsamt einer Ana, gerät die Welt weiter aus den Fugen. Wird die Gemeinschaft halten?

Diese Inhaltsangabe ist deutlicher, als es der Film ist, der Rätsel erzeugt und Geduld erfordert, auch wenn er nur etwas über 70 Minuten dauert. Es ist ein psy·che·de·lisch angehauchter Film mit der Lust an Vexierspielen. Er ist nicht unbedingt mehrheitsfähig, aber er führt uns rüstig an die Grenzen der Wahrnehmung. Und er hat den Mut zu schönen Bildern und überlangen Einstellungen, deren Sinn sich nicht umgehend erschließt. Allerdings kann man sich dann an der Ästhetik der Bilder und besonders des Meeres berauschen.

Dr. Reinhard Tschapke
Redaktionsleitung
Kulturredaktion

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