Oldenburg Wenn ein Film die Seele des Betrachters berührt, ist dieser Film dann bereits ein guter? Oder berührt er zu sehr die Privatsphäre des Publikums? Wahrscheinlich muss am Ende jeder mit sich selbst diese Fragen klären – für den Filmemacher ist die Arbeit an einer emotionalen, sentimentalen Geschichte mithin immer ein Drahtseilakt. Man muss ihn als Künstler einfach wagen, und Nicolas Bedos hat ihn gewagt.

Der aktuelle Star des französischen Kinos legt mit seinem Regiedebüt „Die Poesie der Liebe/Monsieur & Madame Adelman“ die Chronik der 45 Jahre währenden Beziehung vor, die man gelassen anschauen kann. Wahrscheinlicher aber ist, dass man in sie tief versinken wird. Beim Oldenburger Filmfest feiert das ergreifende Drama seine Deutschlandpremiere.

Erzählt wird in Rückblenden die Geschichte der ebenso leidenschaftlichen wie zerstörerischen Liebe zwischen Viktor (Nicolas Bedos) und Sarah (Doria Tillier), die gekennzeichnet ist durch berufliche Höhenflüge des Schriftstellers Viktor Adelman und private Tiefschläge beider Partner. Wie sie in all dem Chaos aus öffentlicher Verehrung und persönlichen Niederlagen (die oft aus gegenseitig zugefügten Erniedrigungen entstehen) ihre höchst enge Beziehung beibehalten, das ist es, was für Bedos die Poesie der Liebe ausmacht. Oder wie Sarah, Ehefrau und härteste Lektorin Viktors, sagt: „Ich glaube nicht an das Schicksal, aber das Schicksal scheint an uns zu glauben.“

Um so einen Film realisieren zu können, ohne im Sumpf des Kitsches zu versinken, bedarf es exzellenter Schauspieler. Und die hat Regisseur Bedos mit seiner Lebensgefährtin und Co-Autorin Doria Tillier sowie sich selbst im direkten Lebensumfeld gefunden. Das wunderbare Spiel der beiden Hauptdarsteller trägt dieses mit Überraschungen gespickte Liebesdrama, dessen zahllose Windungen selbst mit dem Tod Viktors nicht zu Ende sind.

So schön kann Kino sein. Man sollte allerdings ein Taschentuch dabei haben.


  www.filmfest-oldenburg.de 
Klaus Fricke
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