Oldenburg Mit neumodischen Strömungen in der Malerei hat Michael Ramsauer nichts am Hut. Der Oldenburger Maler macht das, was er schon immer gemacht hat: etwas ganz Eigenes. Er stellt sich stolz in die Tradition der abendländischen Malerei, um dann in einem furiosen Farbgewoge mit ihr zu spielen. Wenn er malt – nicht bloß mit dem Pinsel, sondern mit allem, was im Atelier gerade griffbereit ist –, dann stehen die Alten Meister gewissermaßen im Geiste hinter ihm.

Um zu erklären, welche Bedeutung sie für ihn haben, zitiert der 49-Jährige Salvador Dalí. Gefragt, was es Neues in der Malerei gebe, habe der spanische Künstler mit einem einzigen Wort, mit einem einzigen Namen geantwortet: „Velazquez“. Der war nun wahrlich nicht neu, sondern einer der berühmtesten Barock-Maler. Ein Freund von Dalí sei er zwar nicht, sagt Ramsauer, aber dessen Antwort sei genial gewesen – und ganz in seinem Sinne.

Dialog der Bilder

Die Ausstellung „Mythologische Malerei im Barock und heute feat. Michael Ramsauer“ ist vom 9. November 2019 bis zum 2. Februar 2020 im Oldenburger Augusteum zu sehen. Eröffnet wird die Schau am 8. November um 18.30 Uhr im Schloss.

Die Gemälde des Oldenburgers sollen mit den Alten Meistern in einen Dialog treten und von menschlichen Grundthemen der alten Mythen erzählen – von Liebe, Verrat, Tod und Macht.

„Schlachtfest“

Ramsauer hat sie als 20-Jähriger mit einer Ausdauer studiert wie wohl kein anderer zeitgenössischer Maler: die Alten Meister in den großen Museen in Paris, Brüssel, Gent, Brügge oder Antwerpen. „Ich war geradezu fanatisch“, gibt er freimütig zu. Durch das intensive Studium vor den Meisterwerken verfügt er heute über sein künstlerisches Vokabular, ist er bestens vertraut mit den Helden und Göttern der Antike, die schon die griechischen Vasen zierten. Er nennt sie „Schablonen“ und „Stereotype“, die über Jahrhunderte die Malerei beeinflusst hätten. Ovids „Metamorphosen“ sind für ihn nichts weniger als eine Geschichte der Malerei und die Themen so spannend wie aktuell: „Sex and Crime“.

Die malerischen Vorlieben des erfolgreichen Künstlers aus Oldenburg sind in der Kunstszene natürlich weithin bekannt. Und so lag es nahe, Ramsauer für ein großes Ausstellungsprojekt im Augusteum zu gewinnen: Im November wird dort eine Schau mit barocken Gemälden eröffnet, viele aus dem Bestand des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte, in der die Malerei Ramsauers keine kleine Rolle spielt. Auch wenn er seinen Beitrag selbst herunterspielt – „vielleicht 15 Gemälde von mir“. Jedenfalls bereitet er sich auf seinen großen, „kleinen“ Auftritt in seinen beiden Ateliers in Oldenburg – eines in Berlin hat er inzwischen aufgegeben – akribisch vor. Das erste Atelier ist quasi die „Keimzelle“ seiner Malerei, das zweite für Großformate reserviert.

Wie man sich die Arbeit vor der Leinwand vorzustellen hat, die Ramsauer in der Vergangenheit selbst einmal als „Schlachtfest“ bezeichnet hat, verraten aktuelle Fotos: Bunte Schlieren bedecken die Atelierwand, fette Kleckse den Fußboden. Fast meint man, die Spritzer fliegen zu sehen.

Ein pastoser, wild bewegter Malduktus prägte Ramsauers künstlerisches Schaffen bereits 2004, als er, damals 34 Jahre alt, ebenfalls im Augusteum ausstellte: als Preisträger der Kulturstiftung der Öffentlichen Versicherungen. Mit dem Förderpreis hatte der 1970 in Oldenburg geborene Maler seiner Erfolgsgeschichte ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Seine Karriere hatte in Italien begonnen, wo er von einer der bedeutendsten Galerien vertreten wurde. Längst hat er auch in Deutschland große Ausstellungen.

Die Farberuptionen auf seinen Bildern haben auf den ersten Blick wenig Altmeisterliches an sich, erinnern sie doch an die Expressionisten und die Neuen Wilden. Doch stets sind seine kunstgeschichtlichen Vorfahren sichtbar – als figürliche Chiffren, schemenhaft in angedeuteter Landschaft.

Eine Zeit lang hatte sich Ramsauer das „Pastose“ selbst verboten, experimentierte mit Eitempera, mit Bildwelten in geradezu altmeisterlicher Lasurtechnik oder kombinierte beide Stile. Das „Wie“ hatte sich zwischenzeitlich etwas verändert, aber nicht das „Was“. Nun ist der Farbauftrag zwar wieder fetter, aber seine Malerei sei „konzentrierter, fokussierter“, sagt der Maler, der sich wie viele Künstler schwertut, die eigene Arbeit aus der Distanz eines Betrachters zu beschreiben.

Expressive Farbigkeit

Besser er präsentiert seine aktuellen Gemälde, die thematisch allesamt in die kommende Ausstellungen passen würden. Götter und Helden, Amazonen und Nymphen sind dort versammelt: Diana auf der Jagd, Amor, der den Bogen spannt, Ariadne und Theseus, Amor und Psyche, Perseus oder der am Felsen festgeschmiedete Prometheus, fast skizzenhaft, durchscheinend oder pastos in die Landschaften gesetzt.

Die Kombination mit den barocken Meistern lässt spektakuläre Ein- und Ansichten erwarten. Liebestrunken verfolgt der Hirtengott Pan die Nymphe Syrinx – bei Ramsauer in expressiver Farbigkeit. Das barocke Pendant im Augusteum, eine Leihgabe aus Schwerin, hat ein meisterhafter Kollege geschaffen: kein Geringerer als Rubens.

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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